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Ein Text hat zwei Übermittlungsebenen: eine ist Information, der andere ist Ausdruck. Die Ausdrucksebene ist hier (in der DDR) viel stärker und Worte sind hier viel wirkungsvoller als im Westen, weil Information unterdrückt wird. Hier sind Worte nicht nur Informationsträger; man entnimmt auch dem Ausdruck Information. Das ist für das Drama eine bessere Situation. Wenn ich längere Zeit im Westen bin, wird mir die Inflation von Information dort bewusst. Niemand kann wirklich die Zeitung dort an einem einzigen Tag auslesen. Zeitungslesen ist dort eine Ganztagsarbeit. Und wenn man das tut, bekommt man eigentlich keine Information, weil es davon so viel gibt. Es gibt keine Auswahl. Das ist eine Art der Desinformation durch Information.

Heiner Müller brachte es auf den Punkt. Obwohl schon 1995 verstorben, reichen seine Worte ins Heute.