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Man kennt das vom Elternabend, aus Vereinen oder jeder beliebigen Behörde im Osten: Immer noch fällt es früheren DDR-Bürgern schwer, Verantwortung zu übernehmen. Dank glücklicher Umstände stehen dafür seit 1990 reichlich Fachkräfte aus dem Westen zur Verfügung.

Zwei Sätze, die nicht kürzer sein könnten. Und trotzdem umfassend beschreiben, was seit 24 Jahren hier passiert.

Erst vor ein paar Wochen enthüllte „Die Zeit“ das offene Geheimnis, wonach die 23 Jahre alten neuen Bundesländer nach wie vor von Westdeutschen „beherrscht“ würden. Allein die Wortwahl klang irgendwie kleinlich, zumal sich diese Erkenntnis auf lediglich 146 der 192 Spitzenposten in ostdeutschen Ministerien bezog, auf denen Westdeutsche kleben wie mit Uhu aus dem Intershop verleimt – also gerade mal 74 Prozent.

Das ist er! Der Humor, den selbst ich verstehe. Manche nennen das Ostalgie. Wir ignorieren diese ignoranten Ignoranten.

Aber nachdem schon lange vor der Wahl gleich vier zugezogene SPD-Genossen aus dem Westen um Wolfgang Thierses Ostberliner Wahlbezirk rangelten…

Es geht um meinen Heimatbezirk. Um den tiefsten Osten im Osten. Den Kollwitzplatz Prenzlauer Berg.

Noch ungeschickter stellte sich Johannes Lohmeyer in Dresden an, der dort mehrere Hotels führt und sich für die FDP so bewarb: „1964 erblickte ich im schönen Eslohe im Hochsauerlandkreis das Licht der Welt. Die Sauerländer sind ein wildes Bergvolk; streng katholisch, lebenslustig …

Hoho – auch die Sauerländer sind hier. Das lebenslustige Bergvolk. Da kann ich den Dresdnern nur mein Bedauern ausdrücken. Obwohl – Der Turm kam genau von dort – Strafe muß sein.

Die Hamburgerin Angela Merkel dagegen wird zwar häufig für eine Ostdeutsche gehalten, hat aber noch nie in ihrem Ostseewahlkreis gelebt – oder eine Miss-Wahl gewonnen. Neben den Abgeordneten Dietrich Monstadt aus Bochum, Peter Stein aus Siegen und Sonja Steffen aus der Eifel sitzt sie trotzdem wieder für Mecklenburg im Parlament.

Die Mecklenburger sind so bescheiden, daß sie ihre Abgeordneten importieren lassen. Hat doch was.

Oft wird im Osten auf ABM, Ausländer oder EU-Freizügigkeit geschimpft. Umso ermutigender ist es, dass sich Westdeutsche selbst dann nicht entmutigen lassen, wenn sie in ihren Wahlkreisen eigentlich keiner will. Ihr Trostpreis ist die Landesliste. Und so vertreten SPD-Genossen aus Westfalen und Hessen trotzdem Ost-Berliner in Pankow und Köpenick, eine Frau aus Münster – schon wieder – Marzahn und Hellersdorf.

Ehrlich gesagt – ich liege schon fast unter meinem Tisch und habe Lachkrämpfe.

Überhaupt muss man sagen, dass die Linkspartei die Einheit am gründlichsten vollzogen hat: Obwohl sie im Westen keinen leeren Blumentopf gewinnt, stammen 38 ihrer 64 Bundestagsabgeordneten von dort.

Auch nicht schlecht. Weit über 50 Prozent der kommunistischen Mitglieder des Bundestages (MdB’s) der ehemaligen SED, die vom sogenannten „Verfassungsschutz“ überwacht wird,  sind Wessis. Geld regiert die Welt?

Dafür ist Karamba Diaby aus Halle schon jetzt der neue Medienliebling im Bundestag… als SPD-Genosse und erster gebürtiger Afrikaner… Leider ist er zu höflich, um diesen plakativen Rassismus zu geißeln. Vielleicht auch, weil er in erster Linie „Ostdeutscher“ ist, wie er selbst gern und ausdrücklich betont. Das immerhin trauen sich die meisten westdeutschen Ost-Abgeordneten noch nicht.

Ein Dank an Holger Witzel. Das alles steht so im Stern. Bis auf meine ehrenwerten Kommentare…