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Wir werden wieder unpolitisch und kulinarisch…

Jeder kennt doch die tolle Waschmaschine aus der DDR. Daß diese mißbraucht wurde, weiß ich. Denn ich gehörte zu den Übeltätern.

Es war in den 80ern. Ich stand in einem Kiosk auf einem Bahnhof und verkaufte Bier, Schnaps, Limo, Cola, Bockwurst und Blumen.

Zwölf Stunden am Tag. Als dummer Lernender brauchte ich das Geld. Es hat sich gelohnt. Obwohl eine Bockwurst nur 80 Pfennige kostete. Ohne Brot. Ansonsten 85 Pfennig. So 800 Stück gingen über den Ladentisch.

Aber die Reisenden stürzten aus dem Zug, der 5 Minuten Aufenthalt hatte. Dann begann die Hatz. 30 Leute in der Schlange. Ich war abends so müde, daß ich fast vom Zweirad gefallen bin…

Die Bockwürste schwammen in der WM 66. Keinen störte es. Doch einer wunderte sich. Ein Westdeutscher. Es war 1981. Er guckte mißtrauisch auf die Waschmaschine. Dann bezahlte er seine Wurst mit zwei Westmark. Stimmt so!, sagte er.

Sie hat ihm geschmeckt. Später haben wir aus Sperrholz eine Verkleidung für die arme Waschmaschine gebaut. Diese WM 66 kannte ich übrigens, seit ich denken kann. Sie hat all meine Sachen gewaschen und wurde dann zum Bockwurstparadies umfunktioniert.

Erst seit heute weiß ich dank Wikipedia, daß es einen kollektiven Mißbrauch der WM 66 gab und gibt.

Ebenso wurde die WM 66 bei entsprechenden Gelegenheiten wie Betriebsfeiern oder Gemeindefesten als Wasserbad zum Erhitzen einer größeren Zahl von Bockwürsten und ähnlichen Speisen eingesetzt. Auch zum Maischen und Würzekochen beim Bierbrauen im Heimbereich ist sie gelegentlich noch heute in Gebrauch.