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Ich muß etwas ausholen. Da ich bis 1990 in einer bösartigen Diktatur gelebt habe, kannte ich viele Elemente der repräsentativen Demokratie nur aus dem Westfernsehen. Zum Beispiel Wasserwerfer. Die sind offensichtlich ein elementarer Bestandteil der westdeutschen Demokratie. Ein Bestandteil westlicher Werte.

Es muß 1994 oder 1995 gewesen sein, als ich endlich so einen demokratischen Wasserwerfer in Aktion erleben durfte. Ich wohnte damals in der Nähe des Kollwitzplatzes. Es war so um den 1. Mai herum. Ich kam nachts von irgendwo und wollte nach Hause laufen.

Aber so ein Ungetüm fing plötzlich an, völlig unmotiviert Wasser zu verschießen. Da lag ich dann plöztlich pitschnaß auf der Straße. Ein paar demokratische Bullen sammelten mich auf und sagten ich solle nach Hause gehen. Das wollte ich ja. Ich wohne 200 Meter weiter. Na dann dürfte ich nicht nach Hause – ich solle doch irgendwoanders hingehen. Wieso woanders hin? Das hier sei Sperrzone. Also lief ich ungefähr 5 km, um meine 200 m entfernte Wohnung zu erreichen.

Unterwegs hatte ich genügend Zeit, um über Demokratie nachzudenken. Die gewählten Volksvertreter beschaffen sich demokratische Wasserwerfer, um ihre Wähler damit kurz abzuduschen. Vielleicht ist das ja gut gemeint, da viele kein fließend Wasser haben und somit eine kostenlose Dusche bekommen. Ich allerdings hatte ein hervorragendes Badezimmer in meiner Wohnung. Besser man hätte mich vorher gefragt – ich dusche nie mit Kleidern.

Nun sind wir wieder in der Gegenwart. Da lächelt mich dieses Schlagzeile an:

Polizisten beschädigen Wasserwerfer mit Eiern

Irgendwie klingt das alles ziemlich krank.

Panne mit 900.000-Euro-Fahrzeug