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Aktuell ist z.B. die Vorgabe, den Begriff »Referendum« – gemeint ist die Abstimmung in der Ost­ukraine – immer in Anführungszeichen zu schreiben oder mit dem Zusatz »illegal« oder »sogenannt«. Dieser unsinnige Eingriff in unser journalistisches Vokabular ist ein Beispiel für direkte Zensur. Im Duden wird das Wort »Referendum« als Volksentscheid über eine bestimmte Frage definiert – dieser Terminus ist also weder positiv noch negativ besetzt.

Jetzt sind aber alle Journalisten der DW gezwungen, dieses Referendum schon per Wortwahl zu desavouieren. Das schlägt sich nicht nur in den Kommentaren nieder, sondern auch in normalen Berichten, die eigentlich neutral und ohne jede Meinungsäußerung sein sollten. Sogar in Interviews wird es als selbstverständlich unterstellt, daß die Abstimmung illegal war. Das ist Vorgabenjournalismus, der niemandem weiterhilft.

Das sagt ein Redakteur der Deutschen Welle. Aber es macht niemanden nachdenklich. Weiterhin erklärt er:

Es ist halt ein fruchtbarer Boden für die Zensur, wenn man als Journalist eine Familie mit zwei Kindern ernähren muß und auf Basis von Zeitverträgen arbeitet. Irgendwann ertappt man sich bei der Selbstzensur – weil man seinen Job behalten will, schreibt man so, daß es keinen Anstoß erregt.

Das Schicksal aller Lohnschreiber – das sagte Brecht dazu. Er war seiner Zeit Jahrhunderte voraus.