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Bodo stand irgendwo in der Pampa von Mallorca. Die Sonne brannte, der Mietwagen der Marke Seat dampfte vor sich hin – der Kühler war ausgelaufen.

Bodo hatte kein Telefon, um irgendwen anzurufen. Und nirgendwo war ein Haus zu sehen. Warum eigentlich hatte er diese Reise gewollt? Er wußte es schon nicht mehr. Es hing wohl mit seiner Trennung von seiner Freundin zusammen. Das war Ostern gewesen. Eine Woche später hatte er diese Reise gebucht.

Er wollte alles vergessen und endlich wieder anfangen zu leben. Aber jetzt stand er hier und hatte nur Durst und schlechte Laune.

Dabei besaß er ein schönes Grundstück in Ahlbeck. Dort könnte er gemütlich im Schatten sitzen und aufs Wasser gucken. Aber offensichtlich war das nicht genug.

Bodo schüttelte den Kopf und machte sich auf den Weg, um ein Telefon zu finden.

Zehn Kilometer weiter ereignete sich gerade ein üblicher Ehekrach. Monika und Peter stritten sich mal wieder. Ganz normal nach 25 Ehejahren. Vor 9 Jahren waren sie aus Darmstadt auf diese Insel gezogen.

Monika hatte als Einzelkind das Erbe ihrer verstorbenen Eltern angetreten. Dazu gehörte diese Finca nebst etlichen Millionen Euro. Also beschlossen sie dem Arbeitsleben den Rücken zu kehren und hier zu leben.

Peter hatte in Darmstadt ein kleines Taxiunternehmen geführt. Monika war Krankenschwester gewesen. Seit 9 Jahren machten sie nichts, als am Pool zu liegen oder sich zu streiten. Kinder hatten sie nicht gewollt.

Monika setzte sich in ihr Mercedes Cabrio und brauste wutentbrannt davon. Vorher hatte sie Peter wieder mal angedroht, sich scheiden zu lassen.

Bodo wanderte im Schneckentempo die kleine Bergstraße entlang. Ihm ging durch den Kopf, was seit 1989 alles geschehen war. Bis dahin war er Ingenieur im Kernkraftwerk Lubmin gewesen.

Dann verlor er den Job und bekam eine neue Stelle im Westen. Dort lernte er Sabine kennen. Mit ihr kehrte er 2005 nach Ahlbeck zurück. Sie kauften das Grundstück und bauten das Haus. Geheiratet haben sie nie. Wozu auch.

Bodo pendelte dann wöchentlich zu seiner Arbeitsstelle in Westdeutschland. Sabine fand schnell einen Job in Ahlbeck – als Lehrerin.

2012 wurde Bodo wieder arbeitslos. Er war jetzt 52 und ging zurück nach Ahlbeck und meldete sich arbeitslos. Und damit begannen die Probleme. Als Hausmann war er bestimmt nicht unbegabt, aber Sabine war trotzdem unzufrieden. Das Geld reichte zwar, aber sie wollte mehr.

Oder vielleicht wollte sie ihn nicht ständig um sich haben. Bodo hatte keine Lust mehr, an den Wochenenden im Stau zu stehen. Das Haus war bezahlt. Wozu also?

Monika raste die Bergstraße hinauf und fragte sich, warum sie diesen Mann überhaupt noch ertrug. Der kümmerte sich um nichts mehr. Das Sexleben war schon längst eingestellt. Blumen kaufte er nie. Wozu also noch mit ihm leben?

Da erblickte sie weiter oben einen Mann, der am Straßenrand im Schatten saß. Der sah gut aus und hatte ein freundliches Lächeln. Monika hielt an.

Bodo erklärte ihr kurz seine mißliche Lage. Steig ein Bodo! Sie himmelte ihn an. Es paßte plötzlich alles. Ein Märchenprinz mitten in der Pampa! Das war ihr Tag.

Bodo unterdessen betrachtet die attraktive Frau und lehnte sich entspannt zurück. Er hatte Glück.

Sie fuhren an eine stille, verträumte Bucht und sprangen ins Meer. Ein perfekter Pfingstsonntag auf Mallorca.

 

Ich wünsche allen Lesern ein wunderschönes Pfingstfest!

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