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Wir kehren noch einmal zur Erde zurück. Im Jahr 2038. Berlin.

Hans sitzt in seiner Küche. Er überlegt, wie er am schnellsten schmerzlos tot ist. Für eine Waffe fehlt ihm das Geld. Er ist ein Hartz-4-Kind.

Schon seine Eltern kannten nichts anderes. Die haben nie gearbeitet. Beide starben sehr früh. Hans hatte bis zu 6. Klasse Lust am Lernen. Die Zensuren waren sehr gut. Aber irgendwann bemerkte er, wie belanglos alles ist. Denn er würde nur ein besserer Sklave sein. Folglich stellte er alle Bemühungen ein.

Er wollte frei sein. So wie die Menschen in der Mondstadt. Monatelang schlich er um ein chinesisches Mädchen rum. Er durfte sich sogar mit ihr treffen. Aber heiraten wollte sie ihn nicht. Hans hat ihr nie vom Mond erzählt. Er hatte Angst, sie zu verletzen. Mit seinen wahren Beweggründen.

Hans begann nach der Schule eine Lehre als Tischler. Er schloß sie sogar ab und bekam einen Job. Den ertrug er genau 2 Monate. Denn er sollte jeden Tag 12 Stunden arbeiten. Aber der Lohn reichte nicht mal, um ein altes Auto zu kaufen. Oder um mal ins Kino zu gehen.

Hans hatte nur seine Ein-Zimmer-Wohnung. Zwanzig Quadratmeter + Küche und Bad. Weit draußen – am äußersten Rand von Berlin. Eigentlich war Berlin weiter weg, als die polnische Grenze. Denn er fuhr morgens ca. 150 Minuten bis zu seiner Arbeitsstelle.

Ihm blieben zu Hause genau sieben Stunden, um zu schlafen, zu essen, zu trinken usw. Jeden Tag. Keine Abwechslung. Außer am Sonntag. Das war der einzige freie Tag in der Woche.

Hans hatte vor 3 Monaten ein Mädchen getroffen und sehr oft die kurzen Nächte mit ihr verbracht. Dieses Mädchen wurde ganz schnell schwanger. Und verschwand still und leise im großen See, den er aus dem Küchenfenster sehen konnte. Sie war einfach mitten im Winter reingelaufen. So weit, daß sie nicht mehr stehen konnte.

Hans sitzt vor dem Gasherd und ist ganz ruhig. Er hat das Sicherheitsventil entfernt. Das Gas strömt lautlos aus den Düsen.

Er fühlt sich frei.