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Sie landen als einziger Mensch auf einer unbewohnten Insel. Dort gibt es nur Tiere und Pflanzen. Wenn sie jetzt etwas Schlechtes tun wollen, dann bringen sie alle Tiere um und zünden den Wald an. Aber sie bekommen keine Anerkennung, weder negative noch positive. Alles was sie tun, bleibt praktisch ungeschehen.

Nur sie selbst nehmen es wahr. Damit hat jede Tätigkeit, die nicht unmittelbar auf ihr Überleben ausgerichtet ist, keinen Sinn mehr. Damit ist ihr bisheriges Werte- und Moralsystem überflüssig. Damit erst erhalten alle materiellen Dinge ihren eigentlichen Wert zurück – ihren Gebrauchswert, denn sie haben keinen Wert.

Also: Geld hat keinen Wert mehr, weil der Gebrauchswert fehlt.

Anerkennung gibt es nur durch sie selbst.

Das Gesetz sind plötzlich sie, mehr aber noch die Natur; sie allein bestimmt von jetzt an über ihr Leben bzw. Überleben.

Sie werden sich keine protzige Hütte bauen, sondern eine praktische. Alles was sie selbst erfinden und bauen, wird nur noch aus dem Blickwinkel des Gebrauchswertes beurteilt. Sie hätten auch keine Zeit nach dem Sinn des Lebens zu fragen. Sie müßten nicht mehr Dinge tun, die ihnen nichts nützen. Sie wären frei und unabhängig.

Zum ersten Mal in ihrem Leben.

Was wäre wenn plötzlich ein zweiter Mensch (egal ob Mann oder Frau) auf diese Insel kommen würde?

Nach der anfänglichen Freude über die wiedergewonnene Kommunikationsmöglichkeit, und als Zugabe, die Möglichkeit einer Anerkennung durch eine andere Person, würden plötzlich wieder andere Wertesysteme gelten.

Sie wären gezwungen eventuell abzugeben von „ihrem Eigentum“, welches vorher keines war! Erst durch das Erscheinen dieser zweiten Person ist in diesem Moment Eigentum entstanden!

Ist das nicht verblüffend?

Plötzlich achten sie darauf, daß nichts wegkommt oder gestohlen wird usw. Die Möglichkeit bestand doch bis eben gar nicht!

Sie sind auch wieder in der Lage, schlecht zu sein oder Böses zu tun. Wenn sie den Wald anzünden, hat es wieder einen Sinn; der andere würde es bemerken. Umgekehrt ebenso.

Sie werden sich fragen, ob denn die Vorräte auf der Insel auch für 2 Menschen ausreichen. Sie werden sich streiten.

Sie sind nicht mehr frei und unabhängig. Sie sind wieder ein soziales Wesen, mit allen möglichen Ketten geknechtet. Ihr Eigentum hat plötzlich wieder einen Wert.

Was muß der andere tun, damit ich ihm zum Beispiel meine Axt leihe?

Könnte er dafür nicht mein Feld jeden Abend wässern? Sie werden versuchen Vorteil zu schlagen – aus ihrem Recht, Dinge zu besitzen, die der andere nicht hat.

Aus ihrem Recht?

Das ist doch auch erst entstanden, als eine zweite Person hinzukam.

Und ist es nicht gleichzeitig Unrecht gegenüber dem anderen? Er wird es so sehen.

Wissen sie was sich durchsetzen wird?

Das Recht des Stärkeren.

Und der körperlich Schwächere hat dies als Recht zu akzeptieren.

So jetzt können wir die Insel getrost verlassen, denn im Prinzip befinden wir uns in einer normalen bürgerlichen Gesellschaft, wie sie in allen westeuropäischen Ländern existiert.

Eine bemerkenswerte Insel…

Die Rolle des Geldes auf dieser Insel ist übrigens hochinteressant. Das Geld ist so ziemlich der einzige Gegenstand, der weder Wert noch Gebrauchswert hat. Sind es Scheine, so können sie sie verbrennen um einige Minuten Wärme zu haben. Sind es Münzen, so schmelzen sie diese ein um vielleicht Wurfgeschosse oder andere Geräte zu gießen. Aber sie müssen das Geld total verändern.

Wie sieht es aus, wenn sie ein Transistorradio dabei haben?

Aber keine Batterien. Sie könnten ein Dynamo bauen und es damit betreiben, seiner Funktion entsprechend.

Nur mit dem Geld könnten sie nichts machen, was seiner Funktion entspricht.

Ist Geld vielleicht nur eine Illusion, mit der man Illusionen kauft?

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[Ich habe gerade bemerkt, daß dies nur ein Auszug aus meiner Kurzgeschichte ist. Aber er reicht vorerst. Die Geschichte wurde 1999 geschrieben.]