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Bruno wachte früh auf und blieb dann doch liegen. Feiertag. Sein 1-Euro-Job kotzte ihn an. Er war so sinnlos – sie stapelten Steinhaufen von einer Stelle zur anderen. Dabei konnten die nicht schimmeln oder faulen.

Bruno stapfte in die Küche und brühte sich eine Kanne Kaffee. Dazu zwei kräftige Bauernstullen mit Leberwurst. Um 10.00 Uhr war er mit ein paar Kumpels aus dem Dorf verabredet. Sie würden sich in den Garten setzen und den Grill anschmeißen. Dazu ein paar Biere.

Früher gab es noch eine Kneipe im Dorf. Die ist schon lange dicht. Genauso wie die LPG. Oder die Poststelle. Oder das Kino, der Konsum und die Bibliothek. Schule und Kindergarten. Jugenklub und Freiwillige Feuerwehr.

Selbst der Bahnhof war geschlossen. Busverkehr nur noch zweimal am Tag. Eine Gemeindeschwester gab es auch nicht mehr.

In den 70ern als Bruno seine Schulzeit an der POS absolvierte, war am 1. Mai immer ein festlicher Umzug gewesen. Mit Blaskapelle. Ohne großartige Reden. Man zog durch das Dorf und der ABV hatte die Fernverkehrsstraße gesperrt. Nach einer halben Stunde löste sich der Zug vor dem Dorfkrug auf und alle stürmten hinein.

Bier vom Faß oder Faßbrause, Bockwurst mit Senf. Dann gab es noch einen Auftritt des Schulchores. Bruno sang für sein Leben gern. Selbst heute noch. Aber es gab nirgendwo einen Chor. Selbst die Kirche war schon längst geschlossen.

Damals hatte jeder im Dorf eine Arbeit. Entweder bei der LPG oder der MTS. Einige fuhren täglich in die nahe Kreisstadt. Niemand saß jeden Tag zu Hause und wartete auf den Tod.

Bruno schüttelte sich und trank den Kaffee aus. Er wollte in Ruhe duschen und sein bestes Hemd anziehen. Denn bestimmte Rituale kann man nicht ablegen. In den 80ern war er Treckerfahrer. Immer 6 Tage in den gleichen Klamotten. Aber an Feiertagen putzte man sich raus.

Das war jetzt schon so lange her, daß es wie ein Märchen erschien.

Bruno verließ das Haus und war nach 5 Minuten am Ziel.

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