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schimKrüger wanderte schon seit einer Stunde gemütlich durch den Zoo. Vorbei an Elefanten, Bären und Tigern. Im Schlangenhaus hatte es bestialisch
gestunken.

Er näherte sich dem Freigehege der Schimpansen. Irgendwie kam ihm einer von denen bekannt vor. Das Gesicht – ist das nicht sein Abteilungsleiter?

– Müller sind sie das? Was machen sie da?

Müller war jetzt seit 8 Jahren sein Chef. Er kam damals frisch aus Dortmund in
die Firma und wurde sofort Abteilungsleiter. Krüger war schon seit 20 Jahren in dieser Firma. Nie eine Beförderung. Nie ein Lob. Besonders unter Müller hatte er zu leiden.

– Ja Krüger, ich bin es. Holen sie mich hier raus.
– Mensch Krüger. Wie sind sie denn da reingekommen?
– Das weiß ich nicht. Ich bin aufgewacht und war hier.
– Müller, sie sehen wie ein richtiger Affe aus. Bananen haben sie auch. Warum wollen  sie denn raus?
– Ich will nach Hause!
– Ach was, sie können doch den ganzen Tag spielen und habe nette Affen hier.
– Krüger, machen sie die Tür auf.
– Nö. Sprechen sie doch mit ihrem Wärter. Ich bin nicht zuständig. Außerdem kann ich mich gut erinnern, wie sie letztes Jahr meine Gehaltserhöhung abgelehnt haben. Und vor 3 Jahren haben sie mir den Dienstwagen gestrichen.
– Den bekommen sie zurück. Und eine Gehaltserhöhung.
– Müller, das geben sie mir schriftlich.
– Aber ich kann doch nicht schreiben.
– Was? Wieso nicht?
– Können Affen schreiben?
– Dann haben sie Pech. Ohne Unterschrift passiert hier nichts.

Müller war nämlich so penibel, daß kein Euro ohne seine Unterschrift ausgegeben wurde. Krüger konnte sich jetzt prima rächen.

– Als Affe gefallen sie mir ganz gut. Sie waren schon immer einer. Jetzt sehen sie auch wie einer aus.
– Krüger, wenn ich hier raus bin, werde ich sie feuern.
– Haha, wer läßt schon einen Affen frei. Sie werden schön hier bleiben. Ich werde in der Firma Bescheid sagen, daß sie hier eine neue Stelle haben. Dann kommen bestimmt alle mal vorbei.

Krüger hielt sich den Bauch und sah schon die ganze Belegschaft vorbeimarschieren und mit Bananen werfen. Das würde ein Fest werden. Denn Müller hatte sich nur Feinde gemacht. Hier im tiefsten Osten hatte er sich wie ein Diktator aufgespielt.

– Krüger! Ich gebe ihnen Zehntausend Euro!
– Mehr ist es ihnen nicht wert? Außerdem bin ich nicht käuflich. Sie haben doch  immer gepredigt, daß wir keine Geschenke annehmen dürfen. Und haben sich selbst alles eingesteckt.   Meinen sie, wir wissen nicht, wer ihre Villa bezahlt hat?
– Mensch Krüger. Das ist doch jetzt egal. Ich gebe ihnen Zwanzigtausend!
– Nö. Es ist gut so. Ich sehe sie nicht mehr im Büro und komme sie sonntags hier besuchen.  Äpfel mögen sie auch? Oder lieber etwas Kopfsalat?

Ein Wärter näherte sich. Krüger sprach ihn an.

– Sagen sie mal, der Affe dort mit dem Schlips ist ziemlich frech.
– Stimmt, der macht nur Probleme. Der tut so, als wäre er was Besseres.
– Stecken sie ihn doch in eine Einzelzelle. Dann wird er ruhiger.
– Kennen sie den?
– Ja, der war mal mein Chef. Passen sie gut auf, daß er nicht entwischt.
– Darauf können sie sich verlassen. Hier ist noch keiner abgehauen.

Krüger ging fröhlich pfeifend weiter. Er freute sich schon auf sein Büro. Zum ersten Mal seit acht Jahren.

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