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Die Verwendung des Wortes ehemalig ist sehr umstritten. Ich wollte nur einen Eintrag in meinem Lexikon vornehmen – und habe vorher etwas quergelesen. Dabei stieß ich auf einen Artikel vom 16. Juni.

Aus dem Jahr 1997. Und – dieser Artikel erschien im Spiegel.

Ein ehemals ( !!! ) noch junger Autor, 1964 in Hamburg geboren, veröffentlichte einen sehr tiefsinnigen Beitrag.

Lassen wir uns doch mal ein paar Sätze durchs Gehirn blasen:

Im deutschen Osten ist alles ehemalig. Ehemalige Bürger der ehemaligen DDR arbeiten – wenn sie nicht ehemalige Arbeitsplatzbesitzer sind – in ehemaligen HO-Läden (mittlerweile Kaiser“s Supermarkt) oder ehemaligen LPG (jetzt Teil des agrarindustriellen Komplexes der Holländer). Sie kaufen ehemalige Ostprodukte wie „Spee“-Waschpulver (heute Henkel) oder Radeberger Pilsener (gehört inzwischen zur Binding-Brauerei).

Das finde ich knackig, kurz und gut. Und jetzt wird es noch logischer:

Fast gleicht die ständige Voranstellung dieses ominösen Adjektivs schon einem Mantra, einer rituellen Selbstbeschwörung des deutschen Westens, daß „das andere“ vergangen, man selbst aber noch ganz da sei.

So ist es. Aber genau das will man verschleiern. Kommen wir zum Höhepunkt:

Währenddessen droht die neue Bundesrepublik (gelegentlich auch einfach „Deutschland“ genannt) daran zu ersticken, daß man die alte künstlich am Leben zu halten versucht. Wie ein unverdauter Brocken steckt die alte „BRD“ dem neuen Deutschland quer im Hals, weil die Altbundesrepublikaner sich seit bald sieben Jahren hartnäckig weigern zu begreifen, daß auch die westdeutsche Teilrepublik mit dem 3. Oktober 1990 unwiderruflich Geschichte geworden ist: die ehemalige BRD.

Tusch! Und aus sieben sind mittlerweile fünfundzwanzig Jahre geworden.

Was der Spiegel 1997 abdruckte, hat wohl kaum jemand gelesen. Darum diese kleine Erinnerungsglocke von mir.

Und zum guten Schluß:

Damit nach Weimar und den beiden halben Nachkriegsprovisorien die dritte deutsche Republik ein Erfolg wird, reicht es nicht aus, nur die Leiche des Unrechtsstaates DDR zu obduzieren. Es ist Zeit, auch die ehemalige Bundesrepublik endgültig für tot zu erklären und das Testament über ihre Hinterlassenschaft zu eröffnen. Solange eine untote BRD als Zombie der Geschichte durch Deutschland spukt, wird sie der inneren Einheit Alpdrücken bereiten.

Chapeau!

Selten habe ich im Spiegel so etwas lesen können. Also macht euch ran und konsumiert die ehemaligen ( lach! ) Zeilen von HANS MICHAEL KLOTH.

Es lohnt sich.