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Alfons stieg um 12.25 Uhr ins Flugzeug. Am 22. Dezember. Seine erste große Reise seit 25 Jahren. Damals – 1990 – war er für eine Woche nach Griechenland geflogen. Kreta. Er konnte sich noch an jeden Tag erinnern.

Jetzt aber hatte er die panischen Sicherheitskontrollen hinter sich und war sein Teppichmesser los. Das trug er immer bei sich. Denn er hatte sein ganzes Leben Teppiche und Auslegware verlegt.

Das Flugzeug glitt lautlos vor sich hin und das sollte noch 11 Stunden so bleiben. Bis Puerto Plata. Weihnachten und Silvester unter Palmen. Hübsche Mädchen und Cuba Libre.

Alfons schlummerte ein.

Zwei Stunden vor der Landung wachte er auf. Er bestellte ein Bier und wartete ungeduldig auf die Landung.

Seit 1990 hatte er immer einen Job – bis auf wenige Monate. Doch sein Lohn reichte nur für Miete und Essen und Kleidung. Diese Reise hatte ihm seine Mutter spendiert – durch die hinterlassene Erbschaft. Alfons wischte eine Träne weg und zerknüllte die leere Bierbüchse.

Das Hotel in Sosua war einfach und etwas verwahrlost. Es gab keine Klimaanlage – nur einen riesigen Ventilator über dem Bett. Alfons hatte Angst, daß der nachts runterfiel. Also ließ er ihn aus.

Am meisten störte ihn jedoch die Bananenpampe, die ihm morgens und abends vorgesetzt wurde. Das Zeug sah aus wie Kartoffelbrei, schmeckte aber nicht annähernd so gut. Er hatte ein kleines Cafe gefunden, wo er in Ruhe frühstücken konnte. Brötchen mit Käse und Wurst. Richtiger Kaffee.

Die Inhaber waren vor 20 Jahren ausgewandert – aus Brandenburg. Mittlerweile kannte Alfons jedes Detail des Lebens der beiden Fast-Berliner. Er wollte ihre Geschichten nicht hören, sondern ein Leberwurstbrötchen essen und in Ruhe auf das bunte Treiben gucken.

Fragen wollte er auch nicht beantworten. Sollten die doch hinfliegen und selbst sehen, was in Brandenburg los war. Außerdem gab es hier auch Zeitungen und Satellitenfernsehen.

Abends ging Alfons erst ins Casino und danach in die nächste Diskothek. Dort waren verlockend junge Mädchen, die auf ihn warteten. Die Zimmer, in denen er sich in ihnen erleichtern durfte, ähnelten Knastzellen.

Es war dunkel und roch unangenehm. Aber es dauerte auch nur fünf Minuten.

Danach saß er noch in einer der unzähligen Bars und trank eiskaltes Bier. Es war schon etwas anders als in Weißensee, wo er seit seiner Geburt wohnte.

Doch nach 10 Tagen wünschte er sich zurück nach Berlin. Denn das ewig gleiche Wetter und der Merengue gaben ihm das Gefühl, lebendig begraben zu sein.

Alfons gönnte sich heute eine Banana Mama. Es war der letzte Abend. Morgen würde er wieder im Flugzeug sitzen und mit Rückenwind nach Berlin fliegen.

Ein Lächeln glitt über sein Gesicht.

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Ich wünsche allen Lesern ein besinnliches Fest.

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