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alma-ataMaria saß in Moskau auf dem Flughafen. Seit Stunden wartete sie auf den Anschlußflug nach Alma-Ata. Ostersonnabend und sie konnte nicht einmal die kyrillischen Buchstaben deuten, die auf den Anzeigetafeln leuchteten.

Ihre Mutter hatte hier in den 80ern studiert. Die hätte ihr alles vorlesen können. Maria wurde 1988 in Dresden geboren. Die DDR kannte sie nur aus Erzählungen. Wenn ihre Eltern sich mit ihren russischen Freunden trafen, ging es immer um die vergangene Zeit.

Maria hatte nach dem Abitur Sinologie studiert – aber mittendrin aufgehört. Irgendwann war die Begeisterung verflogen. Also suchte sie sich einen Job bei einer großen Werbeagentur. Dort hing sie fest und wußte nicht, ob es das war, was sie wollte.

Hinzu kam, daß sie Josef kennen gelernt hatte. Vor 2 Jahren in Dresden. Josef war dort auf einem Kongreß für Erdölingenieure. Maria betreute den Kongreß und der Rest passierte schnell. Josef war Nachfahre deutscher Einwanderer zu Zeiten Katharina der Großen. Sein Deutsch war sehr gut. Er hatte es in der Schule gelernt. Auch seine Eltern unterhielten sich oft in dieser Sprache.

Nun wohnte Josef seit dem Studium in Almaty. Er war der Chef eines riesigen Ölfeldes in Kasachstan. Seit einem Jahr wollte er Maria überreden, zu ihm zu ziehen.

Denn er sah die Zukunft nur hier – in den riesigen Weiten Kasachstans. Maria fühlte sich auch wohl, wenn sie am Balchaschsee die Datscha seiner Eltern nutzten. Aber irgendwann müßte sie sich doch mit den kyrillischen Schriftzeichen vertraut machen und Kasachisch und Russisch lernen.

Maria lauschte den Lautsprecheransagen, die auch in englischer Sprache waren. Ihr Flug wurde endlich aufgerufen. Gate Five.

Im Flugzeug – eine alte Iljuschin – saß neben ihr eine Studentin der Germanistik. Olga erzählte ihr viel über ihre Heimat Astana. Jetzt war sie unterwegs zu ihren Großeltern. Maria sollte doch unbedingt zu dem Picknick kommen, daß in 3 Tagen stattfinden würde. Olga und ihre Freunde würden sehr gern eine Deutsche begrüßen und sie ausfragen.

Maria sagte zu. Josef hatte drei Wochen Urlaub – also würde es schon gehen.

Als das Flugzeug landete, nahm sich Maria vor, in den nächsten 6 Wochen eine Entscheidung zu treffen. Mit einem strahlenden Lächeln stand Josef am Ausgang.

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