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Sabine Rennefanz schreibt für die  Frankfurter Rundschau.

Von Anfang an war der 3. Oktober ein unemotionaler, künstlicher Feiertag – und in diesen Tagen ist die Stimmung so mies wie seit Jahren nicht. In den vergangenen zwölf Monaten sind die Gräben zwischen Ost und West gewachsen. Die Bundesregierung erklärte gar im Bericht zum Stand der Einheit ganz Ostdeutschland zum Gefahrengebiet, als gebe es nicht große Unterschiede zwischen verlassenen ländlichen Regionen und Boom-Städten wie Leipzig.

Kleine Anmerkung: Es ist und wird kein Feiertag für Ossis. Aber Sabine war auch erst zarte 15 Jahre, als der Westen den Osten vereinnahmte. Da entschuldige ich den kleinen Fauxpas.

Viele Menschen im Osten haben Erfahrungen hinter sich, die man niemandem wünscht, die sie bis heute nicht verstanden, nicht verarbeitet haben. Millionen von Menschen wurden auf einen Schlag arbeitslos. Industrieanlagen wurden abgebaut. Biografien entwertet. Ein neues System wurde übergestülpt, ohne dass viel erklärt worden wäre, Worte wie Demokratie und Rechtsstaat sind oft leere Hülsen geblieben. Trotz Wachstums ist die Wirtschaftskraft im Osten laut Einheitsbericht immer noch 26 Prozent geringer als im Westen. Bis heute hat kein einziger deutscher Konzern seine Zentrale in eines der östlichen Bundesländer verlegt. Bis heute sind die goldenen Jobs im Osten in Politik und Wirtschaft, Justiz und Medien überwiegend von Westdeutschen besetzt. Die Ostler sind im Schnitt ärmer, haben weniger Vermögen. Wer jung und ehrgeizig ist, muss weggehen, um Arbeit zu finden.

Sehr gut. Kleine Einschränkung: Demokratie und Rechtsstaat sind generell leere Worthülsen.

Solange das pauschale Ost-Bashing nicht aufhört, kann Deutschland kein modernes, offenes Land werden. Den Ostdeutschen muss stärker als bisher vermittelt werden, dass sie gebraucht werden, dass ihre Erfahrungen ernst genommen werden. Es ist Zeit, dass jemand auf den Reset-Button drückt und noch einmal von vorn anfängt, mit einem echten Aufbau Ost.

Sehr schöner Schlußsatz. Belassen wir es dabei.

(Alle Zitate aus der Frankfurter Rundschau.)

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