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Müller stieg aus dem Flugzeug und stöhnte. Es waren gefühlte 40 Grad. Aber trotzdem schlich sich ein Lächeln in sein Gesicht. Er hatte es geschafft. Einen Tag vor Weihnachten war er endlich weg.

Müller hatte vor 30 Jahren ein Unternehmen gegründet. Das lief sehr gut – bis vor einem halben Jahr. Ein großer Auftrag wurde nicht bezahlt. Er mußte seine Mitarbeiter entlassen. Das letzte Bargeld ging für offene Rechnungen drauf. Er mußte sich nicht offenbaren. Er machte dicht und ging zum Arbeitsamt. Mit 55 Jahren malte er sich nicht viel aus.

So kam es auch. Sein Hartz IV-Antrag wurde abgelehnt. Er solle erst sein Haus verkaufen, welches viel zu groß sei. Müller hatte all sein Geld in dieses Haus gesteckt – als Altersvorsorge. Denn er war nicht gesetzlich versichert. Nun sollte er seine Rentenvorsorge verscherbeln?

So ist es, sagte die mürrische Dame. Das sind die Vorschriften. Bis zum Verkauf gewähren wir ihnen Beihilfe auf Kredit. Den sie dann zurückzahlen.

Wovon soll ich als Rentner leben?

Die Dame schaute pikiert auf die Uhr: Herr Müller, ich habe diese Vorschriften nicht gemacht. Teilen sie uns mit, wie hoch der Verkaufserlös war und wir sagen ihnen, ab wann sie Unterstützung bekommen.

Müller schluckte und verließ das Zimmer.

Seine Frau war vor 4 Jahren gestorben. Kinder hatten sie nicht. Wenn er sein Haus verkaufen würde, müßte er davon in einer häßlichen Mietwohnung leben bis an sein Lebensende.

Abends ging er in die nächste Kneipe und besoff sich bis zum Erbrechen. Aber er unterhielt sich mit einem, der zu Besuch war. Ein Deutscher, der in Thailand lebte. Seit 15 Jahren.

Müller bestellte am nächsten Tag einen Makler. Das Haus sollte verkauft werden – schnell und teuer.

Drei Monate später war das Geld auf seinem Konto. Müller hatte nächtelang gerechnet. Es mußte klappen. Er wollte nur noch weg.

Nun also war er weg. Für eine Woche hatte er ein Hotel in Chiang Mai gebucht – dann sollte sein Haus bezugsfertig sein. Etwa 35 km entfernt und mit etwas Land.

Müller betrat die Empfangshalle und ärgerte sich über den kitschigen Weihnachtsbaum aus Plaste. Aber in seinem Zimmer war es gemütlich. Er duschte und ging runter an die Bar.

Morgen würde er sein Haus sehen. Und das Land, auf dem er vieles anbauen wollte. Denn irgendwann würde das Geld alle sein. Er plante also viel Arbeit ein.

Der Mekong-Whisky tat gut. Irgendwann schlüpfte er ins Bett.

Heiligabend fuhr er mit einem Thai, um sein Haus zu sehen. Er hatte 50.000 Euro investiert. Ein ansässiger deutscher Makler hatte alles erledigt.

Haus mit Pool und Kamin. Müller machte seinen Rundgang. Vor dem Kamin blieb er stehen und holte seinen SPD-Ausweis hervor. Er entzündete ihn und erfreute sich an den Flammen im Kamin. 30 Jahre verbrannten dort.

Müller fühlte sich gut. Verdammt gut.

Frohe Weihnachten!

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