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Ammitschamma wurde nach zwei Wochen wieder ein freier Mensch. Sein Verteidiger hatte genügend Zeugen präsentiert. Freispruch.

Der Anschlag ging auf das Konto der Geheimdienste. Nur so konnte man den Bürgern schmackhaft machen, daß eine Totalüberwachung für alle notwendig ist. Der maßgebliche Geheimdienst war so geheim, daß niemand im Kanzleramt davon wußte.

Ammitschamma wollte nur noch weg. Denn sie würden ihn wieder ansprechen. Und zurück zu den Drogendealern wollte er auch nicht. Also würde er jetzt zu Fuß nach Hause laufen.

Er marschierte los. Manchmal hielt ein Auto oder ein Traktor an und nahm ihn mit. Nach sechs langen Wochen war er bereits in Griechenland. Dort arbeitete er auf einer Olivenbaumplantage, um das Geld für einen neuen Paß und die Überfahrt zu verdienen.

Sechs Monate später sah er in der Ferne sein Dorf. Niemand würde ihn erwarten. Waren die Ziegen noch da? Würde er sie weiterhin hüten dürfen?

Ammitschamma schritt freudig voran.

Er wußte nicht, daß eine Hälfte der Dorfbewohner mittlerweile in Auffanglagern in der Türkei saß und auf die Überfahrt nach Europa wartete.

Er wußte auch nicht, daß sämtliche Ziegen dafür verkauft wurden. Er würde in ein Dorf kommen, in dem nur noch die Alten und Kranken geblieben waren.

Stellen wir uns trotzdem vor, daß er in einem Jahr eine Frau kennenlernt, deren Vater eine große Ziegenherde hat. Die beiden heiraten und bekommen acht Kinder. Abends sitzt Ammitschamma am Feuer und erzählt seinen Kindern von der großen Reise nach Europa.

Er verschweigt die Drogen. Er erzählt auch nichts über seine Zeit im Knast. Es sind nur gute Dinge, die er berichtet. Die Kinder lauschen mit großen Augen seinen Erzählungen.

Nur seine Frau guckt ihn spöttisch an. Sie weiß, warum er wieder hier ist.

Ende

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