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Beinahe drei Jahre lang lag Nicoleta Bolos jede Nacht wach auf einer verdreckten Matratze und wartete auf das Geräusch von Schritten draußen vor der Tür. Während die Stunden verstrichen, bereitete sie sich darauf vor, dass die Tür sich knarrend öffnen, ein Gewehr auf dem Tischchen neben ihrem Kopf abgelegt werden und ihr Arbeitgeber sich auf die schmutzig-graue Matratze werfen würde.

Das Einzige, was sie mehr fürchtete als die Schritte des Bauern draußen vor der Tür, war es, ihren Job zu verlieren. Also ertrug sie Nacht für Nacht Vergewaltigungen und Schläge, während ihr Ehemann sich draußen in den Vollrausch soff.

Rumänien ist 1989 in die sogenannte Freiheit entlassen worden.

Sprich: In den Kapitalismus und die EU.

Nicoleta wird das zu schätzen wissen. Oder auch nicht. Darüber steht nichts in diesem Bericht. Es wird auch nicht versucht, die Ursachen dieser Sklaverei zu benennen.

Ich bin in den 80ern viele Male mit dem Rucksack durch Rumänien getrampt. Es fehlte vieles – aber den Menschen ging es gut. Nicoleta wird das nicht wissen.

Nach 1989 wurden Hunderte Millionen Menschen wieder versklavt. Und es ist eine Lüge, daß es ihnen besser geht. Ich habe nach 1990 wieder viele Länder bereist, in denen ich davor Eindrücke sammeln konnte. Diese Armut und das ganze Elend gab es vor 1989 nicht.

Als Zeitzeuge beschreibe ich immer wieder, daß mit dem Mauerfall 1989 ein Rückschritt eingeläutet wurde. Für die Menschen, die vorher frei waren.

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