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  • Papa – ich bin in einer kapitalistischen Welt geboren. Du nicht.
  • Du hattest eben mehr Glück als ich.
  • Hähh?
  • Bilde bitte einen Satz.
  • Wieso hatte ich Glück?
  • Weil du in der schönsten und gerechtesten Welt aller Welten aufwachsen darfst. Allerdings: Schön und gerecht ist sie nur, wenn du genügend Geld hast. Deshalb bekommst du ja auch Taschengeld von mir.
  • Haha. Kannst du mal ernsthaft antworten?
  • Lieber Sohn – was erwartest du jetzt? Was soll ich dir erzählen? Du hast selbst Augen die sehen können, wie groß das Elend ist. Die Rentner, die in den Abfalleimern nach Pfandflaschen suchen, die Obdachlosen in der Stadt, die Drogendealer, die Drogensüchtigen, die Penner und Bettler. Die Kriminalität, die Gewalt, Kriege, Terror und Morde, Vergewaltigungen und Diebstahl. Das ist deine Freiheit.
  • Das gab es bei euch nicht?
  • Nein.
  • Aber wieso soll das Freiheit sein – was ich hier erlebe?
  • Freiheit ist lediglich eine Sprachregelung. Sie soll verschleiern, daß ihr Knechte des Kapitals seid. Du sollst dich eben frei fühlen. Tust du das nicht?
  • Nein.
  • Warum nicht? Du kannst im Kapitalismus alles erreichen. Du kannst reich werden und die Augen verschließen – vor denen, die du arm gemacht hast. Was gefällt dir nicht?
  • Ich möchte nicht reich sein – ich will leben. Ohne Sorgen. Ohne täglich das ganze Elend anderer Menschen zu sehen.
  • Dann mußt du Politiker werden.
  • Papa!
  • Was?
  • Gute Nacht.
  • Nacht Sohn.
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