Schlagwörter

, , , , ,

Ich habe das vernachlässigt: Mein Leben vor dem häßlichen Kapitalismus.

Als ich 12 Jahre alt war, hatte ich einen gräßlichen Unfall. Ich stürzte in einen Flaschenhals einer Kornbrandflasche. Die Nervenbahnen durchgeschnitten, sämtliche Sehnen und die Hauptschlagader.

Keine Schmerzen. Nur Blut. Eine Nachbarin machte den berühmten Abbindetrick – lebensrettend. Im Krankenhaus wurde ich operiert und erlebte alles live mit: Im Nachhinein und von oben. Komisches Gefühl.

Mein Arzt war ein Iraner. Ein netter Kerl. Er operierte mich und nähte dann die überlange Wunde. Er machte mir Mut.

Es war meine rechte Hand. Mit der fast jeder schreibt.

In der Nachbetreuung in der Poliklinik machte mir ein deutscher Arzt wenig Hoffnung. Die rechte Hand würde nicht mehr schreiben können. Das sagte er deutlich.

Ich lernte mit der linken Hand zu schreiben.

Aber ich wollte mehr. Ich begann mit Krafttraining. Völlig verboten für diese Hand.

Fünfmal in der Woche fuhr ich mit dem Rad zur Turnhalle. Und hatte Schmerzen. Nur in der Nacht. Aber die spielten sich nur im Kopf ab. Also kein Problem.

Danach war ich Meister im Dreikampf, im Hochsprung, bei Klimmziehen, beim Beugestütz oder Liegestütz. Im Fußball. Nur auf Bezirksebene.

Übrigens: Ich schrieb bereits nach einem Jahr wieder mit der rechten Hand. Weil ich nicht diesem Arzt glauben konnte. Mein Wille war größer.

P.S. Meine Eltern mußten nichts zuzahlen – für den Krankenhausaufenthalt. Böse DDR.

Advertisements