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Auf Geheiß der einsamen Herrscherin wurde das Amt des Überwachungsministers geschaffen.

Denn es hatte sich auch herausgestellt, daß die geladenen Gäste das Land nicht mehr verließen. Es herrschte Chaos. Der Überwachungsminister ließ alle Schnellzeichner des Landes antreten und beorderte sie zu den unzähligen Marktplätzen. Dort sollten sie den ganzen Tag Personen zeichnen.

Die Landsknechte wurden angewiesen, den Schutz der Herrscherin und ihrer Hofschranzen zu verstärken.

Das Volk dagegen wurde jetzt überwacht – aber nicht geschützt.

Es wurde weiterhin gestohlen, gemordet und geschändet. Die geladenen Gäste lachten über den Überwachungsminister und seine Maßnahmen. Das Volk murrte und knurrte. Aber gezielte Peitschenhiebe unterdrückten jeden Protest.

Die Landarbeiter sahen morgens die verwüsteten Felder, der Schmied vermißte seinen Amboß und der Schuster seine Leisten.

Die einsame Herrscherin erfuhr das alles nicht. Ihr Hofnarr spielte auf seiner Laute liebliche Lieder von Glück und Freiheit.

Der Überwachungsminister war verzweifelt. Er hielt auf den Marktplätzen des Landes großartige Reden – aber das Volk verhöhnte ihn. Und warf mit Eiern, Kartoffeln und alten Schuhen.

Wo konnte er sich Rat holen? Er traute niemanden. Würde die Herrscherin erfahren, was im Lande geschah, würde er gehängt werden.

Also fragte er seine Tochter, der er vertrauen konnte. Die Kleine war 12 Jahre alt.

Tja Papa, wie wäre es denn, wenn ihr mal die Grenzen überwachen und kontrollieren würdet? Dann müßtet ihr nicht nicht unsere ehrlichen Landsleute belästigen, die jeden Tag für die Herrscherin schuften.

Der Überwachungsminister hatte drei schlaflose Nächte.

Danach fand man ihn erhängt – am dicksten Deckenbalken in seiner Küche.