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Bodo stand vor dem Wahllokal und überlegte, ob er wirklich da reingehen sollte.

Vor 19 Jahren hatte er sich selbständig gemacht. Es lief immer gut. Bis er vor zwei Jahren einen Großauftrag einer Behörde annahm. Die bezahlte nicht. So durfte er Insolvenz anmelden und seine Ersparnisse aufbrauchen. Dann kam Hartz IV.

Was würde seine Stimme bringen? Wen sollte er wählen?

Dieses Pack dort oben war doch sowieso gleich. Es würde sich nichts ändern. Er wurde von Leuten regiert, die nie gearbeitet hatten. Die nichts wußten von den Problemen des kleinen Mannes.

Bodo zündete sich die nächste Karo an und beobachtete die Menschen, die ins Wahllokal strebten. Irgendwie sahen die alle gleich aus. Wütend, müde, gleichgültig und gelangweilt. Einige schleppten ihre quengelnden Gören mit und hatten noch weniger Spaß.

Nun begann es zu regnen. Bodo verzog sich in den nächsten Hauseingang und beobachtete weiter. Viele hatten keinen Schirm dabei und wurden etwas hektisch. Die Gesichter wurden immer mürrischer.

Nun stöckelte eine Blondine durch die Pfützen. Kurz vor dem Lokal brach ein Stiftabsatz ab und die Tussi landete in einer Pfütze. Bodo konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Niemand half ihr. Nass und dreckig taumelte die Blondine zurück nach Hause.

Ob die nochmal mit Gummistiefeln zurück kommt? Bodo wettete auf ein klares Nein. Noch acht Zigaretten waren in der Schachtel. Das sollte reichen. Obwohl – 50 Meter weiter hatte Ali seinen Kramladen geöffnet. Also schnell hin und ein paar Kippen und zwei Dosenbier holen?

Die beiden Biere waren alle, als die Blondine wieder auftauchte. Sie hatte Markenturnschuhe an und einen Regenschirm dabei. Bodo hatte also verloren. Er würde sich einen ausgeben müssen. Ab zur Quelle – da war es warm und trocken.