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Fritz hatte abends ordentlich seine Schuhe geputzt und vor die Tür gestellt. Er wartete auf den Nikolaus.

Fast alle in seiner Klasse bekamen immer großartige Geschenke. Fritz hatte nur kleine Wünsche. Er wollte unbedingt das Feuerwehrauto mit der Fernbedienung. Man konnte sogar Wasser in den Tank füllen und eine brennende Kerze löschen.

Aufgeregt sprang er morgens zu seinen Schuhen. Kein Auto. Nur ein Schokoladen-Nikolaus guckte ihn traurig an. Fritz saß 10 Minuten mit seiner Mutter beim Frühstück. Auch seine Mutter guckte traurig.

Fritz, es tut mir leid, aber mehr wurde nicht für dich abgegeben, sagte die Mutter. Dabei wußte Fritz genau, daß sie es war, die etwas in den Stiefel steckte.

Und seit einem halben Jahr waren sie Hartz IV. Kein Geld für Geschenke, kein Geld für nichts. Fritz unterdrückte die Tränen und wollte schnell weg. Er schnappte seinen Schulranzen und rief noch: Tschüß Mama!

Auf dem Schulweg mußte er dann doch heulen. Wenn er nicht so klein gewesen wäre, hätte er schon längst Zeitungen ausgetragen oder so was. Aber alle sagten ihm, er dürfte noch nicht arbeiten. Ein Banküberfall kam auch nicht in Betracht – denn dazu brauchte man doch eine richtige Pistole.

Fritz wanderte betrübt in den Klassenraum und ließ die vier Stunden Unterricht an sich vorbei plätschern.

Auf dem Weg nach Hause kam er zu dem Laden, wo sein Feuerwehrauto stand. 29.99 Euro. Fritz hatte nur ca. 12 Euro in seiner Sparbüchse. Er drückte seine Nase an die Schaufensterscheibe und schon kamen die Tränen erneut. Fritz schämte sich nicht mal. Hauptsache Mama sah ihn nicht weinen.

Plötzlich öffnete sich die Tür und ein richtiger Nikolaus kam heraus. Der sah Fritz und blieb stehen.

Wie heißt du?, fragte er. Fritz. Und warum weinst du? Ich weine gar nicht. Nana Fritz, ist es das Feuerwehrauto, weshalb du hier stehst?

Ja. Woher weißt du das? Ich bin der Nikolaus, ich weiß alles über Kinderwünsche.

Es gibt keinen Nikolaus!, schrie Fritz. Doch! sagte der Nikolaus und zog das Feuerwehrauto aus seinem Sack. Siehst du Fritz, du mußt nur an mich glauben, nuschelte der Nikolaus.

Fritz nahm das Feuerwehrauto, bedankte sich und hopste nach Hause.


P.S. In dem reichen Land, in dem wir gut und gerne leben, würde diese Geschichte völlig anders ausgehen.

Fritz bekommt kein Feuerwehrauto, keinen Job und landet dann bei der Bundeswehrmacht. Irgendwo in Afrika stirbt er mit 19 Jahren den deutschen Heldentod.