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  • Sagen sie mal Meier, wie war das in der DDR? Ich bin Baujahr 1994.
  • Hmmh. Aber ihre Eltern wissen doch, wie es damals war.
  • Nö. Die waren nie im Osten. Die erzählen nur Scheiß.
  • [Meier kichert.] Scheiß paßt doch zu diesem Job.
  • Jaja. Kommen sie, erzählen sie was. Ich will das wirklich wissen.

  • Nun gut. Es war eine andere Zeit. Ich war damals Ingenieur in einem großem Betrieb. Ich verdiente 1400 Mark netto. Eine normale Wohnungsmiete betrug 50 bis 80 Mark.
  • Im Monat?
  • Ja, pro Monat. Du konntest mit 10 Mark in eine Kneipe gehen und ordentlich trinken und essen. Schnitzel mit Mischgemüse und Kartoffeln kostete 3,45 Mark. Ein halber Liter Bier eine Mark.
  • Meier – du erzählst Märchen?
  • Nein.
  • Mensch Meier – warum habt ihr das alles aufgegeben?
  • Ich nicht. Es waren ein paar Dummköpfe, die aus Pfaffenhaushalten kamen. Die hetzten ein paar Leute auf und versprachen die große Freiheit.
  • Unglaublich. Warst du auch auf der Straße?
  • Dutzen wir uns neuerdings?
  • Ja. Wenn du nichts dagegen hast.
  • Geht in Ordnung. Ich war nicht dabei. Meine Welt war in Ordnung. Außerdem bin ich nicht gläubig. Ich wollte nicht im Kapitalismus leben und Scheißhäuser putzen …
  • Aber wurdet ihr nicht unterdrückt?
  • Hmmh. Zumindest hat mich niemand gezwungen, im Scheißhaus zu arbeiten. Bilde dir selbst ein Urteil.
  • Meier – da steckt doch viel mehr dahinter. Warum ging dein Land unter?
  • Tja. Das ist schwer zu erklären. Damals erschien es vielen normal und logisch. Heute nicht mehr. Manipulation und Verblendung durch den Westen schafften die Unzufriedenheit. Es wurde von euch eine Scheinwelt aufgebaut, die nicht existierte. Und einige bei uns glaubten daran.
  • Meier – da hat gerade jemand alles vollgeschissen. Kabine 2. Ich kontrolliere die anderen Kabinen. Paß auf – gehen wir nach dem Feierabend ein Bierchen trinken?
  • Ja Chef.