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Meier war nie angepaßt. Seine Arbeitsstelle im EAW Treptow bekam er, ohne die heute üblichen Lügen zu erzählen. Er reiste an und mit einem Handschlag war alles perfekt.

Meier war auch nicht in der FDJ auffällig – er bekleidete nie einen Posten. Die SED war auch kein Thema. Meier lavierte sich durch die Klippen. Er hatte auch nur den Grundwehrdienst geleistet und trotzdem studieren können.

Während seiner Scheidung – also in den 80ern – gewann Meier ein paar Zehntausend Mark. Zufällig war zur gleichen Zeit eine Delegation aus Frankreich im EAW zu Gast. Meier konnte einen älteren Franzosen überreden, seinen Lottogewinn abzuholen. Seitdem schlummerte das Geld in Frankreich

Meier hatte sich erst vor einem Monat wieder an Jacques erinnert. Der lebte noch. Und das Geld war noch da. Mittlerweile war das Konto mit 74.723 Euro im Guthaben ausgewiesen.

So stellte sich Meier mit seinem Rucksack an die Straße und trampte nach Frankreich. Kurz vor Bordeaux ging ihm das Geld aus. Also half er bei der Weinlese. Jacques wohnte in Biarritz. Es war also nicht mehr weit.

Meier fühlte sich wohl auf diesem Weingut. Er war der einzige Deutsche. Man sprach hier französisch, arabisch oder polnisch. Meier war froh, kein deutsches Wort zu hören.

Er schlief nachts unheimlich gut. Meier war frei. Er hatte keine Eile.