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Lehmann war nicht flexibel.

Er glaubte an seine Sache. Als sich der Mauerfall abzeichnete, hielt er sich an seinen Ideen fest. Die Wendehälse besetzten plötzlich alle Posten. Auch Angela mutierte zur Bürgerrechtlerin. Lehmann sah den Mauerfall im Westfernsehen. Er war fassungslos.

An dem Abend betrank er sich. Es war alles vorbei. Der Kapitalismus hatte gesiegt. Lehmann hatte verloren. Immerhin durfte Lehmann sein Haus behalten – andere verloren selbst das. Es gab viele Selbstmorde in seiner Gegend.

Die Arbeitslosigkeit hielt Einzug. Damit auch die Rechtlosigkeit. (Lehmann brauchte neun Jahre, um wieder an die Oberfläche zu gelangen.) Er hatte noch versucht, mit Angela zu telefonieren – aber die stellte sich tot. Sie war nicht erreichbar.

Die Pfaffen regierten jetzt sein Land. Lehmann war nie in der Kirche und betrachtete die Pfaffen wie Marsmännchen.

Es dauerte auch nicht lange, bis die ersten Wessis in Templin eintrafen. Sie forderten Häuser, die sie nicht gebaut hatten. Sie beanspruchten Land, das ihnen nicht gehörte.

Der 3. Oktober 1990 war der schlimmste Tag für Lehmann. Die Annexion war vollendet. Der westliche Konsumschrott, der seit der Einführung der BRD-Mark am 1. Juli 1990 in den Kaufhallen auslag, verdoppelte sich.

Lehmann flüchtete ins Land des Vergessens. Er betrank sich ein Jahr lang und dachte an nichts.