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Die „Linde“ war ordentlich gefüllt. Schon vor 100 Jahren wurde hier getrunken und diskutiert. Die gerissenen Schafe waren heute das Thema.Krawetzke orderte sofort. Benno stand seit 45 Jahren hinterm Tresen und hatte schon eingeschenkt.

  • Zwei Bier, zwei Kurze. Bitteschön.

Krawetzke und Lehmann spülten den Kurzen mit dem Bier runter. Und nun kam das unvermeidliche Gespräch, welches Lehmann nicht führen wollte. Alle schrien durcheinander.

  • Lehmann – gibt es Entschädigung?
  • Glaub ich nicht.
  • Wieso nicht?
  • Ihr seid denen da oben egal.
  • Lehmann – waren wir damals dafür auf der Straße?
  • Ich war nicht dabei.

Benno brachte bereits die 4. Runde für Krawetzke und Lehmann. Auch die anderen hatten reichlich getankt und hatte das Interesse an den Schafen und der Gegenwart verloren.

Die Gespräche drehten sich jetzt um die 70er und 80er. Und das war ein sicheres Terrain für alle. Damals wußte man, was kommt. Man war sicher und geborgen. Es wurden jetzt Gespräche über die Jugendweihe, die erste Schwalbe oder den S 50, Besuche in der Broilerbar oder die Diskos geführt.

Lehmann war erleichtert. Er war aus der Schußlinie. Krawetzke wollte noch mal seine toten Schafe ansprechen – es interessierte niemanden. Krawetzke sank in sich zusammen.

Zum Schluß sangen alle Alt wie ein Baum.

Krawetzke und Lehmann torkelten nach Hause. Sie waren schon immer Nachbarn gewesen. Krawetzke weinte unterwegs noch etwas. Lehmann lieferte ihn gegen Mitternacht bei seiner Frau ab.

Lehmann betrat sein Haus und fiel auf das Sofa im Gästezimmer. Nach einer Minute schnarchte er bereits. Alltag in Templin.

Aber am nächsten Tag war alles anders.