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Zwei Monate später war Lehmann in der Finnmark – Nähe Alta.

Es gab ein günstiges Haus, an dem viel gemacht werden mußte. Lehmann kaufte es und begann zu renovieren. Nach dem Wintereinbruch gab es wenig zu tun. Lehmann hackte Holz, schob den Schnee beiseite und ging auf die Jagd.

Sein neues Haus war gemütlich. Niemand störte, niemand machte Lärm. Es war auch nicht ungewöhnlich kalt – nur einsam.

Es gab einen Holzofen zum Backen. Das Mehl schickte sein Sohn. So verging ein halbes Jahr. Es wurde Frühling.

Lehmann hatte eine ID, Bankkarte und SV-Ausweis bekommen. Und eine Anstellung als Hausmeister an einer Schule in Alta. Es ging ihm gut. Es reichte zum Leben.

Er werkelte weiter an dem alten Haus und ging fischen oder jagen. Außerdem hatte er wieder einen kleinen Garten angelegt. Nun konnte er Vorräte für den Winter einwecken. Außerdem gab es prächtige Beeren, aus denen man einen guten Likör ansetzen konnte.

Lehmann war ausgefüllt mit seinem Leben.

Außer seinem Sohn hatte sich niemand gemeldet. Lehmann vermißte niemanden. Von Krawetzke hatte er nichts mehr gehört.

Manchmal dachte Lehmann noch an seine ersten beiden Leben in der DDR und der BRD. Aber das war selten.

Mit Ole hatte er einen guten Freund gefunden. Ole war Lehrer und angelte für sein Leben gern. So kam es, daß die beiden am Wochenende zusammen angelten und den Fisch verzehrten.

Ole unterrichtete Deutsch – natürlich wollte er alles wissen. Wie sollte sich ein Norweger aus der Finnmark vorstellen können, was 1989 in der DDR geschehen war?

Lehmann wollte zuerst nicht darüber reden; irgendwann tat er es doch.

Eines Tages lernte Lehmann eine Frau kennen, die er im Supermarkt fast umgelaufen hatte. Das Leben war wieder geordnet. Lehmann ließ Ole manchmal hängen – aber nur manchmal.

Schließlich gingen sie zu dritt zum Angeln.