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An einem Mittwoch stand plötzlich ein sehr großer Mann vor Lehmanns Haus.

  • Hallo Kurt. Ich bin Juri.
  • Kurt?
  • So heißt du doch. Kurt Lehmann. Der Templiner.
  • Woher weißt du das? Ich habe nichts erzählt.

  • Ich habe Freunde in Templin – die kennen dich noch als Parteisekretär.
  • Bist du Russe?
  • Ja.
  • Du hast in der DDR gelebt? KGB?
  • Nö, ich war nur in Wünsdorf; als LKW-Fahrer. Und habe gemauert und Leitungen verlegt.
  • Und was willst du?
  • Mit einem DDR-Bürger reden. Mir fehlt die Heimat. Hier leben nur Menschen, die nicht alles verloren haben. Worüber soll ich mit denen reden?
  • Warum kommst du erst jetzt?
  • Weil Ole nicht mehr zu dir kommt. Er ist mit deiner Freundin durchgebrannt. Ole war mir nie sympathisch. Darum jetzt.
  • Setz dich.

Juri zog eine Flasche Wodka aus der Jackentasche.

  • Hast du Gläser?
  • Warte.

Lehmann und Juri tranken, aßen Salzgurken und Brot. Und sie redeten. Juri bewunderte den Garten.

  • Kurt – hier fehlt ein Gewächshaus. Ich besorge dir eins.
  • Ist mir zu teuer.
  • Kost nix. Ich muß morgen eins abreißen – ich zerlege es und baue hier wieder auf. Verstehst?
  • Nö.
  • Komm mit. Hier mache ich ein Streifenfundament. Gute Lage – viel Sonne.
  • Warum willst du das tun?
  • Ich liebe deutsches Essen.

Lehmann lachte.

  • Du willst dann immer zum Essen herkommen?
  • Manchmal. Und zum Reden. Und zum Arbeiten. Hier ist viel zu tun.

Lehmann schüttelte den Kopf und lachte. Dieser Riese war zu drollig. Der saß einfach da und schaute ihn mit runden Augen an. Der Russe wirkte wie ein großes Kind. Schließlich stimmte Lehmann zu. Am nächsten Tag schaufelte Juri die Gräben für das Fundament. Zwei Tage später stand das Gewächshaus.

Danach aßen und tranken sie die ganze Nacht.