Schlagwörter

, , , , , , , ,

Juri wuchs in Sibirien auf. Im kurzen Sommer mußte er ständig Obst und Gemüse ernten. Er haßte das.

Seine Mutter stand nur vor dem Herd und kochte alles ein. Große Gläser wurden gefüllt und dann in den Keller getragen.

Sein größerer Bruder wurde in Afghanistan getötet. Das war anfang der 80er. Die von den Kuhjungen hochgezüchteten Taliban hatten an der Grenze zur Sowjetunion Terror verbreitet.

Juri verpflichtete sich für 10 Jahre zum Wehrdienst freiwillig. Er kam 1984 in die DDR. Nach Wünsdorf – Kommandozentrale der Roten Armee. Juri fuhr Lastwagen. Er hatte manchmal Ausgang und lernte ein Mädel kennen. Dieses wohnte in Zossen.

1989 war plötzlich alles vorbei. Seine Kompanie wurde aufgelöst. Juri hatte sich wohlgefühlt in der DDR. Und sein Land war verändert – die Sowjetunion hatte ein gewisser Gorbatschow vernichtet.

Juri wollte nicht mehr zurück. Also ging er nach Norwegen – in die Finnmark. Dort lebte er nun schon seit 28 Jahren. Manchmal wechselte er die Orte – aber er blieb in diesem Nest vor Alta hängen.

Dort wohnte er nun schon seit 20 Jahren. Er kannte jeden und hatte doch keine Freunde. Nur Bekannte. Oder Geschäftsbeziehungen. Juri war hilfsbereit und überall bekannt. Er konnte einfach alles besorgen und war handwerklich geschickt.

So vergingen die Jahre.

Dieser Ostdeutsche namens Kurt Lehmann interessierte ihn. Er gab ihm ein Stück Heimat zurück.

Aber heimatlos waren sie beide.