Schlagwörter

, , , , , , , , , , ,

Es ratterte an jeder Schwelle. Der Samowar bei der Deschurnaja dampfte. Lehmann saß gern bei ihr und frischte seine Russisch-Kenntnisse auf. Sie lachten viel und tranken Tee.

Ansonsten betrachtete Lehmann die unglaubliche Landschaft und hing seinen Gedanken nach. Er dachte an den Ob und an Sascha und Maruschka. Die zwei Wochen waren schnell vergangen.

Lehmann überlegte, ob er jemals solche gastfreundlichen und ehrlichen Menschen getroffen hatte. Bis auf Juri – nein.

Im Speisewagen lernte Lehmann Olga kennen. Eine Deutschlehrerin, die zu ihren Eltern nach Moskau fuhr. Sie kam auch aus Nowosibirsk. Olga hatte schon zwei erwachsene Töchter.

Nachts lag Lehmann in der 2-Mann-Kabine und konnte nicht schlafen. Der Russe neben ihm schnarchte gewaltig.

Letztendlich saß Lehmann bei der Deschurnaja und trank Tee und Wodka. Und rauchte Machorka mit ihr.

Mit Olga sprach er noch einige Male. Aber es entzündete sich kein Feuer.

Lehmann saß jetzt nur noch am Fenster. Er wollte zurück in die Finnmark. Aber einen Tag Aufenthalt hatte er für Moskau eingeplant. Und einen für Sankt Petersburg. Von dort würde er über Helsinki nach Oslo fliegen.

Zugreisen waren für Lehmann ein Graus. Doch die TransSib war anders. Unbeschreiblich. Die Leute waren nicht so reserviert wie in Norwegen oder der BRD.

Lehmann fragte sich, was in den letzten 30 Jahren passiert war. Er konnte kein positives Fazit ziehen. Man hatte ihn aus Templin vertrieben. Nun saß er in der Finnmark fest. Er könnte auch nach Sibirien ziehen.

Aber was wollte er wirklich? Er wußte es nicht.

Der Zug ratterte durch die Vororte Moskaus. Meier räumte sein Gepäck zusammen und gab der Deschurnaja ein üppiges Trinkgeld.

Dann hielt der Zug an seiner Endstation.