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Krüger war jetzt 85 Jahre alt. Er verfolgte das Leben in der BRD nur noch im Fernsehen. Krüger hatte Glück gehabt. 40 Jahre wohnte er ruhig und zufrieden in der DDR.

1932 wurde er geboren. In Ostpreußen. Heute gehört das zu Polen. Krüger schlich sich 1944 mit drei Brüdern und seiner Mutter westwärts. Die Niederlage der Faschisten war absehbar.

Die Krügers landeten unweit von Berlin. Bei einem hilfsbereiten Bauern, der ein paar starke Hände brauchte.

Krüger bestand 1950 das Abitur in der DDR und durfte studieren. Eine Wehrpflicht gab es noch nicht. So konnte er ganz frisch und frei sein Studium beginnen. Er wurde Lehrer.

Die ersten Jahre waren hart. Er war an einer Schule in Ostberlin und sollte Nachkriegskinder unterrichten. Krüger hatte den großen Krieg selbst erlebt. Es fiel ihm schwer, darüber zu sprechen.

In seiner Klasse guckten ihn 24 hungrige und neugierige Augenpaare an. Seine Schüler sogen jedes Wort auf und waren fleißig. Damals.


Nun war alles anders. Krüger hatte die Schnauze voll. Täglich hörte er von Messermorden und Vergewaltigungen. Er regte sich auf. Seine Kinder hörten ihm nicht mehr zu. Die waren mit sich selbst beschäftigt.

Krüger ging zur Demonstration. Mit seinem Krückstock war das eine langwierige Angelegenheit. Aber für Demokratie und Freiheit muß man Opfer bringen. Das dachte Opa Krüger.

Dann erwischte ihn ein Strahl eines demokratischen Wasserwerfers.

Krüger erwachte erst im Krankenhaus. Die sogenannte Demokratie hatte ihm ein paar Rippen gebrochen. Es tat höllisch weh. Er konnte nicht mal scheißen, ohne Schmerzen zu haben.