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Schulz hatte nie Autogramme gesammelt. Er war nicht so gern in Gesellschaft. Und andere Menschen interessierten ihn kaum.

In seinem Verwaltungsjob konnte er nur aufsteigen. Er war unauffällig, bescheiden und kaum wahrnehmbar.

So kam es wie es kommen mußte: Schulz wurde abgeworben. Von einem Amt, welches sich um den Schutz des Grundgesetzes für die BRD kümmerte.

Das Amt hieß völlig anders – aber Schulz störte sich nicht daran. Mehr ärgerte ihn die Hundekacke, die überall auf den Gehwegen lag. Im Herbst war es besonders gefährlich – die Kacke lag gut versteckt unter Blättern. Mehrmals im Monat trat er in einen solchen Scheißhaufen.

Ansonsten war sein Leben ereignislos. Im neuen Amt hatte er wenig zu tun. Er konnte ausgiebig Zeitung lesen und mittags zwei Stunden beim Italiener verbringen.

Es gab bestimmt Jobs, die mehr von den Sklaven verlangte. Schulz war zufrieden. Er war schon Abteilungsleiter und hatte noch einige Karrierestufen vor sich. Manchmal schaute er in den Spiegel und staunte über sich selbst. Kaum eine Falte im Gesicht. Kein graues Haar.

Eins störte ihn jedoch – Schulz lebte einsam. Seit seinen Zeiten auf der legendären S 51 mangelte es gewaltig an Beziehungen zum anderen Geschlecht. Irgendwie war der Faden gerissen. Vielleicht hing das mit seinem Job zusammen. Schulz hatte sich damit abgefunden. Manchmal dachte er noch an die wilden Zeiten in der DDR.

Letztendlich kaufte er sich einen Goldfisch und hielt ihm lange Vorträge. Der Goldfisch konnte nichts sagen. Das beruhigte und befriedigte. Schulz stahl sich durch sein Leben und bemerkte es nicht.

So verging Jahr für Jahr. Nichts passierte.

Aber dann kam das Jahr 2016. Sein Schicksalsjahr. Schulz schlitterte da rein, wie ein junger Welpe. Es gab einen Anschlag auf einem Westberliner Weihnachtsmarkt.

Plötzlich steckte Schulz mittendrin. Obwohl er nichts wußte. Aber er war Abteilungsleiter und somit verantwortlich.

Fragen durfte er nicht stellen. Es war schon alles beschlossen. Schulz wurde gefeuert.