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  • Papa – denkst du manchmal an den Tod?
  • Nie. Der kommt sowieso.
  • Ist das nicht merkwürdig, wenn plötzlich alles zu Ende ist? Man lebt dann nie wieder.
  • Dafür gibt es ja Religionen. In der einen landest du im Himmel, in der anderen wirst du wiedergeboren.
  • Glaubst du daran?
  • Ich?
  • Vergiß es.
  • Nee. Verwechsle mal nicht Glauben und Wissen. Ich habe dir nur das vermittelt, was ich weiß. Ich bin unfähig, etwas zu glauben.
  • Stimmt… Irgendwie beschäftigt mich der Tod. Wir haben in der Schule darüber gesprochen. Das war alles Scheiße.
  • Wieso?
  • Da ging es dann um den Glauben an das Paradies. Ich fand das völlig daneben. Jesus und diese Märchen. Ich bin viel zu alt, um mir Märchen anzuhören. Ich lese lieber Brecht und sowas.
  • Dann habe ich ja fast alles richtig gemacht.
  • Wieso fast?
  • Ähm – ich wollte eine Tochter haben.
  • Und nun?
  • Nichts. Du bist da. Das ist gut. Ich habe einen klugen Sohn und muß nicht in Dessous-Läden gehen. Wir gucken lieber Fußball. Oder?
  • Ja…  Wann ist man erwachsen?
  • Kurz vor dem Tod. Anders geht es nicht. Bis dahin probiert man und spielt. Erst am Ende erkennt man, was falsch war.
  • Wo bist du im Moment?
  • Keine Ahnung. Er kann dich jeden Moment erwischen. Der Tod. Nichts ist sicherer als er. Deshalb habe ich nie so weit geplant.
  • Und was soll ich jetzt tun?
  • Die Schule beenden, dann studieren, Kinder in die Welt setzen?
  • Hmmh.
  • Was willst du denn?
  • Im Moment gar nichts. Es ist alles so verwirrend. Ich lebe doch nur einmal. Darf aber nicht tun, was ich will.
  • Ja. So geht es fast allen Menschen.
  • Ist das normal?
  • Was ist normal? Was ist anomal? Sei vorsichtig mit diesen Schubladen.
  • Nacht Papa.
  • Nacht Sohn.