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Karl lebte schon länger, als er gedacht hatte. Es war bereits das 84. Jahr, in dem er auskommen mußte. Es war jetzt nur noch eine Frage der Zeit. Er würde irgendwann seinen Löffel abgeben.

Die Bundesregierung hatte ein sogenanntes Klimapaket verabschiedet. Seitdem waren Heizung und Strom unbezahlbar geworden. Karl saß im Dunkeln und fror mit seinen drei Decken, die er um den Körper gehüllt hatte.

Das alles verursachte eine gewisse Gretel Thunfisch aus Schweden. Ein geisteskrankes Mädchen.  Karl schüttelte den Kopf. So viel Idiotie hatte er nicht einmal in der DDR erlebt. Dort gab es auch verrückte Sachen – aber nicht solch einen Blödsinn.

In der DDR mußte er nicht frieren und im Dunkeln sitzen. Er mußte auch an keiner Tafel anstehen und um Lebensmittel betteln.

Seine Tochter wohnte seit 25 Jahren im Westen und meldete sich nicht mehr. Seine Frau war vor 4 Jahren gestorben.

Karl schlürfte in die Speisekammer. Dort mußte noch irgenwo ein Schinken hängen. Er fand ihn und schnitt sich ein paar Scheiben ab. Das Brot dagegen schimmelte schon.

Also gab es Schinken ohne Brot. Karl schmatzte vergnügt und starrte auf die Wand.

In einer Stunde wird er seinen alten Freund Franz besuchen. Der hatte noch einen Stromanschluß. Sie werden zusammen Fernsehen gucken und einige Kräuterschnäpse trinken.

Karl stieg in seine Gummistiefel und begab sich auf den Weg. Er hatte nichtts zu verlieren. Der Kapitalismus hatte ihm alles genommen.