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Bodo lief an der Kirche vorbei. Von dort kamen merkwürdige Gesänge. Er hatte für Kirchen kein Interesse – und auch nicht an den Menschen, die sich dort versammelten.

Pfingstsonntag. Ein ganz normaler Tag. Eigentlich war jeder Tag gleich. Egal, wie die übrigen Menschen ihn bezeichneten.

Bodo wühlte in den Papierkörben und fand drei Pfandflaschen. Die würde er jetzt in seinem Versteck unter der Brücke bunkern. Morgen war auch noch ein Tag. Vielleicht würde er mehr finden.

Als er auf seiner Iso-Matte saß, versuchte er sich zu erinnern, in welcher Stadt er sich befand. Er wußte es nicht. Gera? Erfurt? Zwickau?

Es war völlig egal. Jede Stadt war gleich. Überall diese stumpfen Gesichter und das gekünstelte Lächeln. Bodo schaute auf den Fluß, dessen Namen er nicht kannte.

Er hatte als Fahrer bei Hermes gearbeitet, davor im Trockenbau. Als seine Frau ihn verließ, hörte er einfach auf zu existieren. Zumindest empfand er das so. Aber wer weiß schon, wie das Leben funktioniert. Bodo wußte es nicht.

Da saß er nun und grübelte. Und er kam zu keinem Ende. Irgendwie war alles zu kompliziert. Nichts fügte sich zusammen. Alles war verschwommen.

Als Kind suchte er Ostern im Wald die Geschenke. Daran konnte er sich gut erinnern. Doch das war lange her. Vor dem Kapitalismus, der plötzlich da war.

Bodo drehte sich eine Zigarette und rauchte genußvoll.

Sein Kumpel Ralf saß plötzlich neben im. Gemeinsam schauten sie schweigsam auf den Fluß, dessen Namen sie nicht kannten.

  • Bodo hast du Sehnsucht nach Hause zu kommen?
  • Zu Hause? Wo soll das sein?
  • Keine Ahnung.
  • Wieso fragst du mich?
  • Irgendwen muß ich ja fragen.
  • Stimmt.

Bodo und Ralf saßen am Ufer und sahen zu, wie das Wasser sich bewegte. Sie mußten nicht reden – alles war gesagt.