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Fischer erinnert sich.

Ich wurde 1959 im Kreiskrankenhaus geboren. Meine Mutter hatte mich schon nach vier Stunden nach draußen gepreßt. Vater war ganz stolz, weil er einen Sohn gezeugt hatte.

An die Kinderkrippe kann ich mich nicht erinnern. Aber an die Zeit im Kindergarten. Dort war es immer interessant und aufregend. Wir hatten Sport- und Musikunterricht. Das machte richtig Spaß. Oder einfach im Garten rumtoben.

Manchmal gingen wir in den Tierpark. Im Sommer ging es an den Strand. Im Winter konnten wir rodeln – alle Väter hatten zusammen für uns einen kleinen Berg aufgeschüttet. Denn natürliche Hügel oder Berge gab es nicht.

Dann kam die Schulzeit. Mutter arbeitete im örtlichen Konsum, Vater war mittlerweile auf Montage in Berlin und nur am Wochenende zu Hause. Das störte mich nicht, da Oma immer da war.

Vater hatte an ihrem Haus angebaut. Also wohnten wir alle zusammen auf Omas Hof. Opa war nicht aus dem Krieg zurückgekehrt.

Auf dem Hof gab es Hühner, Gänse, Schweine und Kühe. Und natürlich einen Hund und zwei Katzen. Nach der Schule half ich Oma bei allen Tätigkeiten. Aus der Milch wurde Butter gemacht. Die Tiere mußten gefüttert werden. Die Ställe ausmisten, Holz hacken oder Essen kochen – ich war überall dabei.

Natürlich hatte ich auch Zeit für mich. Ich war in der Freiwilligen Feuerwehr und spielte in der Knabenmannschaft Fußball.

Außerdem gab es viel zu entdecken. Hinter dem Haus begann ein riesiges Waldgebiet. Wir konnten 20 Kilometer geradeaus laufen, ohne einen Menschen oder ein Haus zu sehen. Wir bauten Höhlen und waren Abenteurer.

Im Wald gab es Blaubeeren, Brombeeren, Himbeeren und natürlich Pilze. Nur die Pilze wurden bei Oma abgeliefert – die konnte man nicht roh essen.

Dann gab es auch noch Omas Garten, die Obstwiese und den Kartoffelacker. Dort bedienten wir uns heimlich, wenn die Erntezeit alles reifen ließ. Mohrrüben, Schoten, Erdbeeren, Kohlrabi, Stachelbeeren, Kirschen, Plaumen, Äpfel und Birnen – alles verschwand blitzschnell in den hungrigen Mägen der kleinen Diebe.

Fischer ist müde. Er legt sich auf die Couch und schläft ein.