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1981 wurde unsere zweite Tochter geboren. Ich war glücklich und zufrieden. Mit 22 Jahren hatte ich ein Haus, eine liebe Frau und zwei reizende Töchter. Und eine Arbeit, die Spaß machte und mich ausfüllte. Oma war immer noch fit und nahm ihre Aufgabe als Uroma sehr ernst.

Die Kinder waren oft bei ihr und verrückt nach den Tieren. Die Kleine konnte grunzen und quicken wie die Schweine. Am liebsten kroch sie den Ferkeln hinterher.

1984 im Frühjahr wurde ich zum Grundwehrdienst eingezogen. Natürlich landete ich im Süden der Republik. Das war so üblich, damit man nicht auf dumme Gedanken kam. Es waren achtzehn quälend lange Monate, da ich nur sechsmal nach Hause fahren durfte. Plus einmal Sonderurlaub – meine Große wurde 1985 eingeschult.

Im Herbst war dann die Entlassung und ich hatte wieder meine Familie zurück. Maria und ich waren immer noch nicht verheiratet. Das mußte jetzt passieren. Also holten wir uns einen Termin für Mitte April 1986. Wir wollten draußen auf dem Hof feiern – mit Grill, Stehimbiß und Musik aus der Konserve.

Es wurde ein unvergeßliches Fest. Die Zeremonie im Standesamt war schnell vorbei. Endlich konnte ich diesen blöden Schlips ablegen und die Ärmel hochkrempeln.

Der Jägerverein hatte uns ein prächtiges Wildschwein geschenkt, der Schlachter hatte es fachmännisch vorbereitet und stand höchstpersönlich am Grill. Die Jungs von der Feuerwehr hatten einen Tanzboden verlegt und lange Holzbänke und -tische organisiert. Der Dorfkneiper hatte Faßbier und anderes Gesöff angefahren und spielte (zusammen mit seiner Frau) den Mundschenk.

Wir machten dann unsere Hochzeitsreise. Hiddensee – für 10 Tage. Mutter und Oma hatten uns gut zureden müssen – denn wir dachten an die Kinder. Unsere Sorgen waren unbegründet.

Vater hörte im Sommer 1987 in Berlin auf. Sein Kreuz war irgendwie ausgeleiert. Er bekam einen Arbeitsplatz am Schreibtisch in einem Baubetrieb in der Kreisstadt. Im September wurde unsere Kleine eingeschult.

Wenn ich gewußt hätte, was zwei Jahre später passieren würde …

Fischer verschwand in der Küche und kehrte mit einer Flasche Wodka und Gläsern zurück. Es war spürbar, daß die Zeit seines Glücklichseins zu Ende ging. Etwas arbeitete in seinem Kopf.

Tja – und dann war plötzlich der Herbst 1989 da.