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Nun kündigte sich meine jüngere Tochter zu einem Wochenendbesuch an. Das war schon merkwürdig. Hatte sie auch Neuigkeiten? Mein Bedarf war eigentlich gedeckt; Uwe verschwunden und die Große schwanger.

Im Spätsommer war sie dann da und brachte eine Freundin mit. Ich hatte eine Matratze besorgt und das Zimmer war bereit für zwei Gäste. Die beiden hatten in Stockholm eine Freundin besucht und plauderten munter drauf los.

Abends verzog sich Freundin Lisa früh ins Bett. Also fragte ich direkt, was meine Tochter bedrückte. Sie druckste etwas rum und erzählte dann alles.

Maria war vor sechs Jahren an Krebs erkrankt – da war ich noch in Vancouver. Meine Töchter und meine Eltern durften mir nichts sagen; das war Marias Wunsch. Meine Eltern akzeptierten das und überzeugten auch ihre Enkeltöchter.

Maria hatte eine Therapie nach der anderen mitgemacht. Aber der Krebs kam immer wieder. Sie war so geschwächt, daß sie jetzt jede ärztliche Hilfe verweigerte. Sie wollte in Ruhe sterben. Es würde nicht mehr lange dauern.

Also hatte mich mein Gefühl in Vancouver nicht getrogen. Ich mußte nach über zehn Jahren nach Vorpommern fahren. Das war ich Maria schuldig. Meine Reiselust hielt sich in Grenzen – mein Leben hatte sich von meiner früheren Heimat weit entfernt.

Am Montag informierte ich Karlström. Er sagte nur, daß es schön wäre, wenn ich wiederkomme. Ich versprach es ihm.

Dienstag früh fuhr ich mit dem Van los. Nach Trelleborg zur Fähre nach Saßnitz. Dann nur noch zwei bis drei Stunden Autofahrt. Ich würde bei meinen Eltern schlafen. Der erste Abend wurde lang. Wir ließen die letzten zehn Jahre im Zeitraffer ablaufen.

Fischer guckte wieder in die Glut und schwieg. Nun gut, sicher war dieser Besuch nicht angenehm. Aber zumindest hatte er vorher gewußt, was ihn erwartet. Er schilderte dann den Besuch bei Maria, die er nicht wiedererkannte. Sie war nur noch eine fast leblose Hülle eines Menschen. Fischer widmete sich den praktischen Dingen.

Vater stand noch im Grundbuch. Er sollte dort meine Töchter eintragen lassen. Das Haus war alles, was Maria und ich ihnen hinterlassen konnten. Vielleicht noch das Haus in Eskilstuna. Aber das hatte noch Zeit.

Nach drei Tagen fuhr ich zurück. Zur Beerdigung würde ich wieder da sein.