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Tomek hatte ein schlechtes Gewissen. Er ließ einen dicken Dachbalken los, der mein Knie traf. Das bedeutete für mich rund sechs Wochen das Bein nicht zu bewegen und nur auf Krücken rumzuhumpeln.

Das Jahr war also fast gelaufen. Ich konnte nicht zu Marias Beerdigung reisen – ich gedachte ihrer in der Stille. Tomek hatte mir seine Frau geschickt; zum Einkaufen und Saubermachen.

Um Tomeks Gewissen zu erleichtern, bezahlte ich seine Frau für die Dienstleistungen. Erst wehrte er sich – aber dann fügte er sich. Seine Frau Elvira war eine Seele von Mensch. Sie kam mit dem Rad und fuhr dann mit meinem Van einkaufen. Sie putzte nicht nur. Sehr oft kochte sie ein Mittagessen. „Echt polnisch Fischer – hat schon Oma so gemacht.“

Ihre Oma muß eine gute Köchin gewesen sein – es schmeckte immer. Ich war gut versorgt und die Wochen liefen um die Wette. Ich durfte anfangen, die ersten Gehversuche zu machen. Funktionierte prächtig. Insgeheim dachte ich, schon in acht Wochen wieder arbeiten zu dürfen. Es wurden zehn Wochen.

Mutter erzählte mir, daß es Vater nicht so gut ging. Das tat sie sonst nie. Noch eine Überraschung? Sie hoffte auf das nächste Jahr. Ich auch.

Der Dezember kam und auch reichlich Schnee. Meine Papageien fühlten sich sauwohl in der gut geheizten Bude. Mittlerweile konnten sie fast alle deutschen Schimpfwörter rauslassen. Offensichtlich waren diese schwedischen Vögel sprachbegabt und neugierig.

Heiligabend kam dann der Anruf von Mutter. Wann kommst du? fragte sie.

Zur Beerdigung war ich da. Erst Maria und nun Vater. Es ging mir alles zu schnell. Der Friedhof war sowieso kein Ort, an dem ich mich gerne aufhielt. Abends saß ich mit Mutter in der Küche. Wir redeten nicht viel. Wozu auch.

Ich blieb noch einen Tag und fuhr wieder ab. Emotional verband mich nichts mehr mit der verkauften Heimat.

Fischer verstummte wieder für eine längere Zeit. Also verließ ich ihn, um in Ruhe nachzudenken. Er war jetzt öfter in Vorpommern und damit nahe der Höhle im Wald.