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Warum schleicht dieser unsympathische Reporter hier laufend rum? Was will der von meinem Sohn? Mein Junge hatte immer ein friedliches Leben – bis die BRD zu uns kam.

Danach war alles anders. Oma wurde das Haus gestohlen und meinem Sohn die Arbeit und die Frau. Was ist das für eine Welt? Ich bin ein Kriegskind, Jahrgang 1940.

Sicherlich war es damals auch schwer – aber es ging immer aufwärts. Die Hoffnung auf ein besseres Leben erhielt uns am Leben. Was ist jetzt? Es geht nur abwärts. Selbst hier in Eskilstuna merke ich das. Aber lieber hier, als in der geraubten Heimat.

Ich muß jetzt noch die Blumen gießen. Die Papageien schreien zu laut. Da ist es im Garten schöner. Mein Hund begleitet mich und trägt auch die Gießkanne im Maul. Ein kluger Kerl.

Was macht mein Junge in Stockholm? Er ist schon drei Tage dort und meldet sich nicht. Egal, erst mal Blumen gießen. Nachher kommt Svea vorbei; wir kennen uns aus dem Kirchenchor. Mein Schwedisch wird immer besser. Und das mit 80 Jahren! Oh je. Wenn das mein seliger Mann wüßte.

Morgen werde ich den Rasen mähen. Das Heu holt dann Ole ab – für seine Tiere. Ole kann dann gleich mal gucken, wieso der Brunnen so gurgelt. Ob der bald leer ist? Wenn der Junge sich wenigstens melden würde. Das macht mir Sorgen. Ich war noch nie in Stockholm.

Jetzt noch ein Glas Rotwein auf der Veranda und auf Svea warten. Ich weiß gar nicht, warum sie abends zu mir kommt. Hat sie noch nie gemacht. Na ja. Jeder hat seine Geheimnisse. Selbst ich. Aber die bleiben auch geheim. Ob ich noch schnell meine Enkeltöchter anrufe?

Da kommt Svea. Ich muß noch schnell ein Glas holen. Oh – Svea sieht ganz blass aus. Sie wird schon erzählen, was sie bedrückt. Zu zweit ist alles einfacher.