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Unsere Gebirgstour. Ohne Ausrüstung, ohne Ahnung und mit viel Glück. Sieben Tage sind wir dort auf dem Kamm rumspaziert. Es war nachts arschkalt. Wir waren oberhalb von 2000 Metern.

Das Gebirge Făgăraș war damals (1986) schon so ein Geheimtip, daß nichts mehr geheim war. Pausenlos begegneten wir anderen Verrückten. Die Negative unserer Wanderung habe ich heute noch – aber nie entwickeln lassen. Warum auch immer.

Wir haben mitten in den Wolken gesessen und die herrliche Aussicht genossen. Es gab glasklare Bäche und keine Vögel mehr. Nur eine unheimliche Stille. Als ich scheißen mußte, war ich etwas stolz.

Wer hat schon in dieser Höhe geschissen? Zumindest konnte das kaum jemand aus Vorpommern behaupten, wo ein Berg ab 100 Meter Höhe schon gewaltig ist. Jetzt war ich einer von den echten Berg-Scheißern. Also ein halber Bayer.

Wir hatten zum Glück nie einen Wetterumschwung – den hätten wir auch kaum überlebt. So war alles bestens, als wir nach sieben Tagen wieder abstiegen.

Es ging dann nach Kronstadt. In der „Schwarzen Kirche“ haben wir eine Messe besucht. Da wir nicht religiös waren, war alles ungewöhnlich. Gläubig wurde ich trotzdem nicht, obwohl der Priester eine beeindruckende Rede hielt. Ich habe zwar nichts verstanden – aber irgendwie war er glaubwürdig.

Dann kam das Zigeuner-Reservat kurz vor der Donau. Ein eingezäuntes Areal für die Wanderer. Wir fuhren mit einem rumänischen Brummi über die einzige Brücke und der freundliche Fahrer erklärte uns alles.

Bukarest. Nichts ist zu beschreiben. Eine traurige und graue Stadt. Überall Sprüche und Bilder von Nicolae Ceaușescu. Schnell weiter.

Es ging endlich ans schwarze Meer. Constanța. Dort konnte man sich wieder wohlfühlen. Eine pulsierende Hafenstadt mit Flair. Ein wunderschönes Delfinarium. So etwas gab es in der DDR nicht. Wir waren zumindest beeindruckt von diesen Säugetieren, die im Wasser leben.

Dann ging es nach Eforie-Sud, ein Zeltplatz, der nicht so weit weg war. Bezahlbar, sauber und mit einer herrlichen Aussicht auf das Meer. Morgens kletterten wir die Steilwand hinunter, um uns mit Meerwasser die Zähne zu putzen. Vielleicht pißten wir danach auch ins Meer.

Es ging flott weiter – die bulgarische Grenze war fast in Sichtweite. Über Warna, Nessebar, Burgas und Sosopol ging es nach Primorsko. Ziel erreicht. Der Traum fast aller ostdeutschen Tramper. Ein bezahlbarer Zeltplatz am Schwarzen Meer.

So war das damals.