Schlagwörter

, , , , , , , ,

Bevor wir Rumänien besuchen, reden wir über unsere Ausrüstung. Rucksack mit Tragegestell, ein Zelt „Fichtelberg“, Schlafsack, Isomatte, Regencape, Benzinkocher, Benzinflasche, Kochgeschirr, Besteck.

Und das Wichtigste war natürlich die Verpflegung für fünf bis sechs Wochen. Die bestand aus allen Wurst- und Fleischkonserven, die man in der DDR kaufen konnte. Dazu noch Tütensuppen jeder Art. Alles mußte haltbar sein. Auch bei größter Hitze.

Mein Rucksack wog zum Beginn der Reise ca. 35 Kilogramm. Es war kaum Kleidung drin. Eine lange Hose, ein Pullover, drei Nickis, drei Schlüpfer, drei paar Socken. Das wars.

Unsere erste Station war stets Arad. Dort kannten wir Leute, die ein großes Haus mit einem großen Garten hatten. Sie hatten sogar ein Zimmer für uns – alles kostenlos. Und die Verpflegung war auch gratis. Es waren Rumäniendeutsche; etwas bessergestellt als die meisten. Und sie liebten es, sich in der deutschen Sprache zu unterhalten.

Dann ging es nach Hermannstadt in Siebenbürgen. Dort war Hans Spak unser Gastgeber. Ein Rumänienschwabe – bettelarm lebte er mit seiner Frau und zwei Kindern versteckt in einer kleinen Laube. Die beiden waren gastfreundlich und sympathisch – wir fühlten uns dort wohl. Wir haben ihm immer Medikamente mitgebracht, die es in Rumänien nicht gab. Die kleine Tochter war schwerkrank. Mein Tramper-Kumpel Alex studierte Medizin und wußte genau, was mir mitnehmen mußten.

Fünfzehn Kilometer von Hermannstadt entfernt gab es ein stillgelegtes Salzbergwerk. Dort war ein See, dessen Salzgehalt so hoch war, daß man dort auf dem Wasser schlafen konnte. Der Auftrieb war so groß, daß es uns die Beine wegriß, wenn wir ins Wasser liefen.

Wir waren unterwegs, um Zucker zu kaufen. Der war rationiert und wir durften pro Kopf ein Kilogramm kaufen. Das wurde im Personalausweis eingetragen. Also konnten wir zwei Kilogramm Zucker für Hans besorgen. Er war glücklich. Denn zwei kleine Kinder brauchen etwas Süßes.

Wir ließen auch immer einen Großteil unserer Fleischkonserven bei Hans. Denn Fleisch konnten sie sich nicht leisten. Ein „Schnitzel“ dort bestand aus einer Scheibe Aubergine – anständig paniert und wohlschmeckend. Aber es war eben kein Fleisch.

Was soll ich sagen? Armut kannte ich aus der DDR nicht. In der Slovakei gab es auch arme Ecken – aber Rumänien war für uns der Inbegriff des Elends.

Das Geld dort war völlig egal. Den heimischen „Lei“ wollte niemand. Wir hatten Kaffee, Zigaretten und Medikamente als Tauschmittel dabei.

Rumänien war ein Kulturschock – denn dort gab es nie eine heile Welt. Gibt es auch heute noch nicht.

So war das damals.


Teil 2 zu Rumänien folgt …