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Wahrscheinlich gab es wenige, die so wie wir im September 1989 wieder in die DDR zurückfuhren. Als wir den Urlaub antraten, war schon viel passiert.

Diesmal ging es mit dem Studententicket direkt nach Bulgarien- also wieder Primorsko. Dort waren wir mit Schulkumpels von unserer Penne verabredet. Jeder hatte woanders studiert – Rostock, Leipzig, Berlin.

Ich war seit 1988 angestellt – also kein Student mehr. Aber den Studentenausweis konnte man gut fälschen. Wie auch immer – wir waren wieder am Schwarzen Meer.

Es war anders als sonst. Die türkische Grenze war nur ein paar Kilometer entfernt. Morgens entdeckten wir auf dem Zeltplatz, daß viele getürmt waren. Etliche verlassene Zelte.

Es interessierte uns nicht wirklich. Ein Vorpommer ist bodenständig und kommt zurück in seine Heimat. Die gab es ja noch. Gerade so.

Wie immer genossen wir die Zeit. Anfang September fuhren wir zurück – zuerst nach Budapest. Da war auch alles anders als sonst. Wir hatten ja keine Nachrichten verfolgt und wußten nicht, was sich dort abspielte.

Wir fuhren dann weiter zum Balaton – auf den gewohnten „kostenlosen“ Zeltplatz. Auch dort waren dann morgens etliche Zelte herrenlos. Die Besitzer hatten wohl die Schnauze voll vom Camperleben. Es interessierte uns nicht sonderlich. Rumliegen und den Balaton genießen – das war alles, was ich wollte.

Auf dem Rückweg nach Prag wurden wir im Zug vom Schaffner blöd angeguckt. Und auch angequatscht.

  • Ihr fahrt zurück in die DDR?
  • Ja.
  • Seid ihr blöd?

Kein Kommentar meinerseits. Ich wollte nach Hause – und das war die DDR. Schwachsinnige Schaffner waren nie Gesprächspartner für mich.

Ein paar Tage Prag und dann fuhren wir endlich über die Grenze. Wir waren wieder in der DDR.

Ich begann Mitte September zu arbeiten – mein VEB in Berlin-Treptow existierte noch. Mein Büro war wie immer und meine Stellvertreterin war auch noch da.

Abends hatte ich Zeit, Nachrichten zu gucken. Nun erst verstand ich, daß die Übernahme der DDR durch irgendwelche Kapitalisten kommen würde. Und daß es nicht mehr lange dauern würde. Der Pfaffenputsch war wohl erfolgreich – mit freundlicher Unterstützung aus dem Westen.

Am 30. September kündigte ich meinen Arbeitsvertrag zum 31.12.1989.

Was kam dann?


So war das damals.