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Mit 15 Jahren hatten wir Jungs an der Penne nur drei wichtige Wünsche:

Eine S 50, ein Zelt und ein Schlafsack. Denn mit 15 durfte man Moped fahren. Und dann ging es los. Wir machten alle Zeltplätze unsicher. An vielen Wochenenden und Feiertagen und in den Sommerferien sowieso. Wir waren ständig unterwegs, wenn wir nicht in der Schule sein mußten.

Zeltplätze gab es genug. Und die waren spottbillig. Wir kannten fast jeden. Denn überall lagen die direkt am Wasser. Man badete, bis man Hunger bekam und fuhr dann zur nächsten Broilerbar. Goldbroiler, knusprig und braun, war unsere Lieblingsspeise. Ich weiß gar nicht mehr, was wir abends gegessen haben. Höchstwahrscheinlich nichts oder eine Bockwurst mit Brötchen. Denn Zelten war für uns der Inbegriff für Freiheit. Weg von den Eltern und nur machen, was lustig und vielleicht verboten ist.

Es war die Zeit der Pubertät. Mädchen und Jungs waren neugierig aufeinander. So saßen wir also abends zusammen und irgendwer hatte immer eine Klampfe dabei. Es wurde gesungen und billiger Wein getrunken. Bis es dunkel wurde. Beim Nacktbaden fanden sich dann Pärchen, die die Nacht in einem Zelt verbrachten.

Ich hatte meine feste Freundin schon ab 15. Also mußte ich immer gut planen. Mal mit ihr zelten, mal nur mit den Jungs. Zum Glück war sie auch unternehmungslustig und wir ließen uns die Freiheiten, die man braucht. Und wir vertrauten uns.

Es waren ja auch viele Unternehmungen dabei, die für ein wohlerzogenes Mädchen ätzend waren. Teterower Bergringrennen – das war einfach Kult. Es knatterte, staubte und war tierisch laut. Oder Speedway in Neubrandenburg. War genauso. Doch wir mußten das mal erlebt haben.

Im Herbst begannen dann auf jedem Dorf die Erntefeste. Da gab es meisten Live-Bands und danach noch Disko. Wir klapperten alles ab. Und die Dorfdiskos gab es am Wochende fast überall. Wir kannten jede. Da konnte ich meine Freundin mitnehmen – denn Tanzen war immer so ein Mädchending.


Warum ich solchen sentimentalen Scheiß aufschreibe?

Wenn ich sehe, was die Jugendlichen heute dürfen, dann kommt mir alles hoch. Seit einem Jahr sitzen die alle in einer Einzelzelle. Aber die sind ja selbst schuld. Hopsen lieber bei FFF rum, weil das gerade in ist. Nun haben sie schon eine traurige Gegenwart. Und eine Zukunft wird es nicht geben.

Unser Leben in der bösen Diktatur DDR war eben viel freier. Wir haben von der sogenannten Diktatur nichts mitbekommen. Wir lebten unser Leben. Ohne Ausgangssperren und Gesichtsburkas und Kontaktverboten.

Wir hatten dazu noch tolerante Eltern. Vieles von dem, was wir machten, war schon damals in der BRD nicht möglich. Dort nahm man in dem Alter harte Drogen und landete irgendwann auf der Straße und dem Beschaffungs-Strich.

Mein Leben in der Diktatur begann 1990.

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So war das damals.