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Ich war ein Schlüsselkind. Du kamst nach Hause – da war niemand. Mein Bruder manchmal. Es lag immer nur ein Heft mit den „Hausaufgaben“ da. Im Winter Asche rausbringen, Kohlen aus dem Keller holen und den Ofen heizen …

Im Sommer: Erdbeeren pflücken, Gras für die Kaninchen besorgen und die Viecher füttern. Oder Schoten und Gurken ernten. Da stand so einiges im Heft. Es war nie langweilig. Aber manchmal ätzend.

Eigentlich wollte ich nach der Schule nur Fußball spielen oder im Wald Höhlen bauen oder einfach nur Kind sein. Wie das so üblich ist. Ging wohl nicht. Die beiden „Alten“ arbeiteten und kamen erst abends nach Hause.

Dann wurde abgerechnet. Alles erledigt? Ja. Hausaufgaben für die Schule gemacht? Ja. Zensur bekommen? Nein.

Das zog sich hin. Ich kannte natürlich nichts anderes. Nur die leere Wohnung, wenn ich nach Hause kam. Aber man gewöhnt sich als Kind an alles. Irgendwie wollte ich leben. Gerade als Dreikäsehoch. Denn das Leben hatte doch erst begonnen.

Natürlich hatte man als Schlüsselkind auch viele Freiheiten. Das will ich nicht verschweigen. Jede Medaille hat zwei Seiten.

In meiner Klasse waren fast alle Schlüsselkinder. So haben wir uns immer mit igendwas beschäftigt. Computer gab es nicht, Fernsehprogamme am Nachmittag auch nicht. Also waren wir nur draußen – bei jedem Wetter.

Wir waren eine verschworene Gemeinschaft. Morgens mit dem Rad zusammen die zwei Kilometer zur Schule und danach zusammen zurück. Und für die Nachmittage hatten wir schon Pläne ausgeheckt. Niemand saß allein in seinem Kinderzimmer. Keiner war ausgeschlossen. Es gab keine „Rangordnung“ und alle waren gleich.

Selbst die Mädchen – die ja von einem anderen Planeten kamen – durften mitmachen. Es gab keine Unterschiede.

So war das damals.