Schlagwörter

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  • Papa – ich mal wieder.
  • Wo drückt der Schuh?
  • Überall. Wie lange dauert diese Kacke noch?
  • 2 Jahre oder 50 Jahre. Ich habe keine Ahnung. Ich bin kein Politiker und entscheide nichts.
  • Könnte mein Abi-Ball ausfallen?
  • Gut möglich. Aber ihr wollt nach Australien. Vielleicht ist es dort anders.
  • Warst du schon dort?

  • Nee. Kein Interesse. Stand nicht auf meiner Wunschliste.
  • Wieso nicht?
  • Jeder hat seine Reiseziele, Australien stand nicht auf meiner Liste. Ich kann dir zu Australien nichts erzählen.
  • Verstehe.
  • Und?
  • Ich weiß nicht, was überhaupt richtig ist.
  • Das ist normal. Ich weiß es bis heute nicht.
  • Toll. Nun bin ich schlauer.
  • Nicht unbedingt. Du wolltest, daß ich meine Meinung sage. Wenn sie dir nicht gefällt, bin ich trotzdem unschuldig.
  • So meinte ich das nicht. Kristine und ich und all die anderen Mitschüler reden auf dem Pausenhof nur über ein Thema.
  • Über das Virus C?
  • Ja.
  • Und eure Lehrer?
  • Weiß ich nicht. Die vermeiden das Thema im Unterricht. Die machen so weiter wie immer. Es ist echt beknackt. Wir haben alle diese häßlichen Gesichtsburkas und all das kotzt uns an.
  • Gibt es nicht einen Lehrer der darüber spricht?
  • Doch. Aber der hat Angst, daß er seine Anstellung verlieren könnte. Der ist ganz okay. Alle Schüler mögen ihn. Der ist ganz ehrlich.
  • Welches Fach?
  • Mathe.
  • Alles klar.
  • Wieso?
  • Nur so.
  • Und jetzt?
  • Abwarten und Tee trinken.
  • Papa?
  • Поживём – увидим. Das ist ein altes russisches Sprichwort. Da steckt viel Weisheit drin. Stell dir einfach einen dampfenden Samowar vor und 10 Menschen, die davor sitzen und den heißen Tee trinken. Das verkürzt die Wartezeit und man unterhält sich dabei. Ein Tee beruhigt immer.
  • Sibirien?
  • Nicht nur. Den heißen Tee liebt man überall in Rußland. Auch am Schwarzen Meer.
  • Toll. Was mache ich jetzt?
  • Erst das Abi und dann mit Kristine abhauen?
  • Kommen wir überhaupt noch hier raus?
  • Keine Ahnung. Frag deine Bundesregierung.
  • Das ist nicht meine. Ich will mit denen nichts zu tun haben. Niemand von uns findet die gut.
  • Tja Sohn. Das ist die sogenannte Freiheit. Die wird von oben verordnet. Da bleibt dann kaum noch etwas für uns übrig …
  • Das alles ist total beknackt. Wir dürfen nichts mehr. Und das dauert nun schon ein Jahr. Die klauen mir meine Jugendzeit. Und die kommt nicht zurück.
  • Ja. Das stimmt.
  • Wir sind alle kurz vorm Durchdrehen. Niemand versteht diesen ganzen Scheiß.
  • Поживём – увидим.
  • Das hast du schon gesagt.
  • Es ist aber derzeit das Einzige, was ihr tun könnt.
  • Ciao Papa.
  • Ciao Sohn.

Telefonat beendet.