Schlagwörter

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  • Papa?
  • Ja – wer sonst.
  • Wir dürfen jetzt doch Abitur machen. Das stand wohl auf der Kippe.
  • Ja. Habe ich gelesen. Und?
  • Die wollen uns alles wegnehmen. Ich bin froh, wenn das alles vorbei ist. Das ist wie in einem schlechten Horrorfilm. Langsam beneide ich dich um deine Jugendzeit. Die war einfacher.

  • Stimmt. Soviel Scheiße gab es damals nicht. Ich möchte auch keinen Tag missen, den ich damals erlebt habe. Im Gegensatz zum Heute.
  • Warum bin ich erst so spät geboren worden?
  • Was soll ich denn sagen? Ich bin auch zu spät geboren worden. Ich wäre gerne 60 gewesen, als man meine Heimat annektiert hat. Dann wäre ich ganz locker in den Vorruhestand gegangen und hätte nicht die kapitalistische Sklavenhaltung beim Broterwerb erleben müssen.
  • Sklavenhaltung?
  • Jupp. Immerhin bin ich jetzt seit über 30 Jahren in diesem beknackten System berufstätig. Ich weiß schon wovon ich rede.
  • Ist das echt so krass?
  • Echt. Frag mich nicht, ob das nur in der BRD so ist. Ich habe nur in der DDR und der BRD gearbeitet. Zu anderen Ländern kann ich dir nichts sagen. Aber das wirst du selbst erfahren und erleben dürfen oder müssen.
  • Hört sich auch nicht verlockend an …
  • Keine Ahnung. Man hat nur ein Leben. Entweder man nutzt es, oder läßt es bleiben. Zumindest dies ist eine Entscheidung, die du völlig frei treffen kannst.
  • Verstehe.
  • Wirklich?
  • Ja. Du malst die Zukunft nicht rosa an. Du willst mir sagen, daß die Realität nicht immer schön ist.
  • So ungefähr.
  • Papa – wenn Kristine und ich scheitern sollten … Was machen wir dann?
  • Einen neuen Weg suchen und ihn gehen. Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich die nächste. Geistig gesunde Menschen suchen immer den Notausgang, wenn ein Feuer ausbricht. Denk immer an die schönen Momente im Leben. Das ist hilfreich und gibt dir Kraft.
  • Das alles ist kompliziert.
  • Nee. Es ist nur kompliziert, wenn du nicht nach Lösungen suchst. Bei mir steht ein Buddha im Wohnzimmer. Warum wohl? Ich habe die Weisheiten dieser Lehre aufgesogen und gemerkt, daß sie helfen. Ich streichle den Bauch des Buddhas und schon ist alles gut oder besser. Manchmal bekommt man eine Erleuchtung dadurch.
  • Ich bin kein Asiate.
  • Ich auch nicht. Aber man kann vieles von ihnen lernen. Ablehnung wäre da wirklich blöd. Es war auch nur ein Beispiel. Vielleicht gefallen dir eher die Mayas, Eskimos oder Indianer – was weiß ich denn.
  • Ich muß jetzt wieder nachdenken und fahre gleich zu Kristine.
  • Ciao Sohn.
  • Ciao Papa.

Telefonat beendet.