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Ich war damals schon ein guter Raucher, aber wohl auch ein guter Sportler.

Wer traut sich an einen Halbmarathon, wenn er eine Schachtel Zigaretten am Tag qualmt?

Ich natürlich.

Damals gab es den Berliner Friedenslauf. Ich wollte da unbedingt teilnehmen. Ich lief ja ständig durch den Wald – dank meiner Läuferkarte bei der Fahne. Aber nie solche langen Strecken. Fünf Kilometer waren es meistens ohne Pause. Nun also die Zwanzig.

Ich hatte das auch nicht trainiert. Keine Erfahrung mit 20 km. Aber nun mußte ich das unbedingt wissen. Wir liefen mitten durch Ostberlin. Ich kann mich noch an den Straußberger Platz erinnern und an die Karl-Marx-Allee.

Alles andere habe ich kaum wahrgenommen. Unterwegs gab es Verpflegungsstände. Das gab es Tee und Haferbrei. Der Haferbrei war gut und gab Kraft. Davon habe ich eine ganze Menge geschluckt.

Die letzten fünf Kilometer waren die Schlimmsten. Die Muskeln brannten und die Füße taten weh. Und das Gehirn sagte: Mach weiter. Du schaffst das.

Komischerweise hat die Lunge sich gar nicht gemeldet. Die machte einfach fröhlich mit. Es waren die Wadenmuskeln, die immer mehr verkrampften. Tat höllisch weh.

Aber ins Ziel kommen wollte ich schon. Habe ich auch geschafft. 1h 43 min und 15 sec steht auf meiner Urkunde. Marathonläufer lachen jetzt natürlich – weil sie in dieser Zeit locker 30 km oder mehr laufen.

Ich war trotzdem zufrieden. Die Zeit war mir egal. So ein Ausdauerlauf schüttet eine Menge Glückshormone aus. Die verdeckten und besänftigten jeden Schmerz.

Daß ich die nächsten drei Tage kaum noch die Treppen bis zur Kompanie hochkam, steht auf einem anderen Blatt. Ich bin wie auf Eiern gegangen. Mein Spieß hat das gesehen und mir natürlich Schondienst verordnet.

Ich durfte auf der Kompanie bleiben und habe mal wieder UvD gespielt. Zum Speisesaal mußte ich nicht mit. Dazu hatte er einen echten Uffz. verdonnert. Unser Koch, der mit mir ein Zwei-Mann-Zimmer teilte, hat mich gut mit Essen versorgt.

So war das damals.