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Meine Teilnahme am Friedenslauf hat natürlich auch eine Vorgeschichte.

1984 war ein warmer Sommer und ich hatte wie fast immer Urlaubs- und Ausgangssperre.

Aber ich wollte mal wieder so richtig „raus“ und so tun, als wäre mein Leben ganz normal.

Also bin ich zum Politoffizier gegangen und habe ihn gefragt, ob er das organisieren kann. Also meine Teilnahme trotz Ausgangssperre.

Seine Augen leuchteten sofort. Friedenslauf am 2. September, ein Teilnehmer aus seiner Kompanie. Das gab bestimmt Pluspunkte in seiner Kaderakte. „Machen sie sich keine Sorgen, da fahren wir natürlich hin. Ich regle das mit dem Spieß.“

Hat er auch gemacht. Wir bekamen den Jeep vom KC samt Fahrer. Der Politoffizier ist natürlich nicht mitgelaufen. Er war nur die Person, die auf mich aufpaßte und für mich bürgte.

Er war damals Hauptmann und so wichtig wie der KC. Ich habe das später in den Büchern von Simonow gelesen – diese ganze Struktur wurde bei uns von der Sowjetarmee übernommen. So war die aufgebaut.

Die Politik war mir damals ziemlich egal. Aber ich fand es plötzlich gut, daß ein Politoffizier so einen großen Einfluß hatte.

Man mußte also nur auf bestimmte Knöpfe drücken und es öffneten sich Türen.

Ich habe das auch im Film über Kati Witt gesehen. Die machte das genauso. Hat sie mit einem schelmischen Lächeln freimütig erzählt. Sie wußte genau, wo man drücken muß. Und so seine Freiheiten bekam. Ihre waren natürlich größer als meine. Ich war ja auch nicht Olympiasieger …

Sport war eben ein wichtiger Teil der Politik in der DDR. Wer das begriffen hatte, konnte sich viele Freiheiten leisten.

So war das damals.