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Werner wachte schweißgebadet auf. Er hatte einen Alptraum.

Was hatte er geträumt? War das ein Blick in seine Zukunft?

Er setzte sich in die Küche und wartete, daß der Kaffee endlich durchgelaufen war.

Die Regierung hatte nach den ganzen Ausgangssperren nun auch das häusliche Leben total eingeschränkt. Es gab schon wieder ein neues Ermächtigungsgesetz.

Nach 22.00 Uhr durfte man nicht mehr den Televisor oder das Licht einschalten. Das galt bis fünf Uhr morgens.

Begründet wurde es mit einem Klimanotstandsgesetz.

Sein Auto durfte er nur noch an zwei Tagen pro Woche benutzen.Dazu gab es große Aufkleber an den Seitentüren. Bei ihm stand Di und Do drauf. Also war das ganze Wochenende futsch. Er konnte seine Eltern nicht mehr besuchen, weil dort kein Zug hinfuhr. Und mit Bussen hätte er einen Tag gebraucht, um den Ort zu erreichen.

Fleisch durfte er noch einmal pro Woche kaufen. Dafür gab es Bezugsscheine. Pro Kopf durfte man nur 500 Gramm kaufen.

Zigaretten waren auf 100 Stück pro Woche beschränkt. Gegen Bezugsscheine.

Pflichtimpfungen waren vorgeschrieben. Dreimal pro Jahr. Wer einen Termin nicht wahrnahm, wurde unsanft von der Polizei abgeholt und zwangsgeimpft. Obendrein gab es ein Bußgeld von 500 Euro.

Die Zwangssteuer pro Wohnung für den möglichen Empfang der Propagandasender war auf 80 Euro pro Monat gestiegen. Wer nicht zahlte, kam in den Knast.

Wer sich nicht an die gendergerechte Sprache hielt, wurde ebenfalls bestraft. Bußgelder ab 100 Euro aufwärts.

Bargeld gab es auch nicht mehr. Nur noch die lächerlichen Zahlen auf seinem Kontoauszug.


Werner trank den Kaffee und schüttelte den Kopf. Der Traum verfolgte ihn noch immer.

Er schaute auf den Kalender – 8. Mai 2021. Ein Sonnabend. Tag der Befreiung durch die Sowjetarmee. Den gab es auch nicht mehr. Man hatte ihm alles genommen, was das Leben lebenswert machte.

Da war nur noch eine große Leere und Sinnlosigkeit in seinem Leben. Er hatte schon an Selbstmord gedacht. Aber er war wohl zu feige.

Werner spülte seine Kaffeetasse aus und ging in den Park. Dort saß er auf einer Bank und schaute den Schwänen und Enten zu, die den kleinen See bevölkerten. Die lebten in Freiheit. Er beneidete sie und fragte sich, warum er nicht zu ihnen gehörte.

Es gab keine Antwort. Nur Fragen.


Für mich ist der 8. Mai ein Feiertag. Ich wünsche allen Lesern ein schönes Fest am Sonnabend !